Das bietet IQ: Zur Ausrichtung des Förderprogramms ab 2026
Bereits seit 2005 arbeitet das bundesweite IQ Netzwerk daran, die Arbeitsmarktchancen für Menschen mit Migrationshintergrund zu verbessern. Seither wurde das Förderprogramm IQ – Integration durch Qualifizierung entlang unterschiedlicher Schwerpunktsetzungen kontinuierlich weiterentwickelt. Mit dem Start der aktuellen Förderrunde am 1. Januar 2026 wurden nicht nur neue Projekte bewilligt, sondern auch Strukturen, Zuständigkeiten und Zielgruppen geschärft. Dieser Beitrag ordnet die zentralen Elemente ein und gibt einen kompakten Überblick über die aktuelle Programmausrichtung 2026 bis 2028.
IQ von A bis Z – die Struktur des Netzwerks
Das IQ Netzwerk basiert im Wesentlichen auf vier zentralen Programmakteuren, die mit ihren Angeboten unterschiedliche Zielgruppen adressieren, aber auch ineinandergreifen: Anerkennungs- und Qualifizierungsberatungsstellen, Regionale Integrationsnetzwerke, Aktivierungsprojekte und zwei Fachstellen.
Anerkennungs- und Qualifizierungsberatung (AQB)
Bereits in der letzten Förderrunde hat sich eine bundesweite Beratungsstruktur zur Anerkennung von im Ausland erworbenen akademischen und beruflichen Qualifikationen etabliert. Aktuell unterstützen 59 Beratungsstellen Ratsuchende unter anderem durch:
- Informationen zum Anerkennungsverfahren,
- Orientierung zu zuständigen Stellen (Anerkennungsbehörden) und Fördermöglichkeiten,
- Einschätzung von Perspektiven und beruflichen Einsatzmöglichkeiten,
- Aufzeigen von Qualifizierungsoptionen und -angeboten für die berufliche Anerkennung sowie zur qualifikationsadäquaten Integration in den Arbeitsmarkt und
- bedarfsorientierte Prozessbegleitung.
Die Beratungsangebote werden in Präsenz, telefonisch und/oder virtuell umgesetzt. In der aktuellen Förderrunde liegt ein besonderer Fokus auf Aktivitäten des Wissenstransfers, denn ab 2029 sollen die AQB in Strukturen der Bundesagentur für Arbeit übergehen.
Gut zu wissen:
Die Beratungsangebote „Faire Integration“ zu arbeits- und sozialrechtlichen Fragen werden seit 2026 dauerhaft außerhalb des Bundesprogramms des Europäischen Sozialfonds Plus (ESF Plus) über eine Verordnung gefördert. Weitere Informationen finden Sie ►hier.
Regionale Integrationsnetzwerke
Regionale Integrationsnetzwerke sind regional organisierte Projektverbünde, in denen mehrere Träger zusammenarbeiten, um bedarfsorientierte Angebote zur Arbeitsmarktintegration umzusetzen. Dabei werden der regionale Arbeitsmarkt sowie die Herausforderungen und Bedarfe der Zielgruppen vor Ort berücksichtigt. Regionale Integrationsnetzwerke gab es bereits in der letzten Förderrunde, neu ist, dass es seit Januar 2026 zwei klar voneinander abgegrenzte Arten von Projektverbünden gibt:
1. Regionale Integrationsnetzwerke für internationale Arbeitskräfte (RINIA)
Die RINIA richten sich an Personen mit ausländischen Berufsqualifikationen und Qualifizierungsbedarf. Bundesweit werden in 21 RINIA über 100 Qualifizierungsprojekte umgesetzt. Dabei lassen sich drei Qualifizierungsarten unterscheiden:
- Gruppenangebote
zur Vermittlung berufsfachlicher Kenntnisse, insbesondere für Tätigkeiten in Zukunftsbranchen mit hohem Arbeitskräftebedarf (z. B. im Ingenieurswesen oder Umwelthandwerk) oder im Bereich der ESF Plus-Querschnittsziele Ökologische Nachhaltigkeit, Gleichstellung und Antidiskriminierung. Pro Jahr sind mehrere Kursstarts geplant. - Qualifizierungen on the Job
als individuelle, berufsbegleitende Fortbildungen, die möglichst berufs-, qualifikations- und branchenoffen gestaltet sind.
Lesetipp: Der Newsletter-Beitrag »Berufliche Integration sichern, Qualifizierung stärken: Zielgruppenerreichung in Qualifizierung on the Job« verdeutlicht die Bedeutung dieser Qualifizierungen und zeigt an einem Beispiel die Umsetzung in der Praxis. - Begleitprojekte,
die Teilnehmende bis zum (bildungsadäquaten) Berufs- und Brancheneinstieg begleiten und dafür beispielsweise Qualifikationsbausteine zusammenstellen, die Fördermöglichkeiten klären oder auch persönliches Coaching oder Mentoring anbieten.
2. Regionale Integrationsnetzwerke Willkommens- und Anerkennungskultur internationaler Arbeitskräfte (RINWA)
Die Zielgruppe der in diesem Jahr neu eingeführten RINWA sind insbesondere kleine und mittlere Unternehmen (KMU) sowie deren Beschäftigte. Bundesweit werden in 17 RINWA mehr als 50 Projekte umgesetzt, die dazu beitragen sollen, ein positives Klima für die Zuwanderung und Integration ausländischer Beschäftigter zu schaffen. Das beinhaltet die Beratung der Unternehmen zur Fachkräfteeinwanderung, aber auch konkrete Unterstützung beim Suchen, Finden sowie Halten internationaler Arbeits- und Fachkräfte. Zusätzlich werden auch (zukünftige) Kolleg*innen durch bedarfsgerechte Schulungen auf die Zusammenarbeit mit internationalen Arbeitskräften vorbereitet. Themen der Schulungen sind beispielsweise: leichte Sprache, Diskriminierungsrisiken im Betrieb oder Unterstützungserfordernisse neuer Arbeitskräfte am Arbeitsplatz.
Branchen-, berufs- und qualifikationsübergreifende Aktivierungsprojekte (BBQA)
Die 9 BBQA informieren migrantische Communitys niedrigschwellig und mehrsprachig über den deutschen Arbeitsmarkt, seine Institutionen und Wege in die Beschäftigung. Dabei machen sie auch auf die zielgruppenspezifischen IQ Angebote aufmerksam und können individuelles Mentoring und Coaching für Zuwanderer*innen beinhalten.
Lesetipp: Im Newsletter-Beitrag »BBQA: Communitys von Menschen mit Migrationsgeschichte als Zielgruppe und aktive Akteur*innen im Förderprogramm IQ« gibt die Fachstelle Einwanderung und Integration einen Einblick zu diesem neuen Player im IQ Netzwerk.
Zwei Fachstellen zur Unterstützung der Programmumsetzung
Alle Akteure im IQ Netzwerk werden in der aktuellen Förderrunde durch zwei bundesweite Fachstellen unterstützt und miteinander vernetzt: Die Expert*innen der Fachstelle Anerkennung und Qualifizierung (►FSAQ) und der Fachstelle Einwanderung und Integration (►FSEI) organisieren – jeweils entsprechend ihres fachlichen Schwerpunkts – Schulungen und Fachaustausche, stellen Fachinformationen zur Verfügung, unterstützen die Qualitätssicherung in den Projekten und koordinieren die themenspezifische Öffentlichkeitsarbeit. Außerdem tragen die Fachstellen relevante Erkenntnisse aus der Programmumsetzung in die Politik- und Fachdiskurse.
IQ3 – Beraten, Qualifizieren, Vernetzen
Bis Ende 2028 verfolgen die Akteure des IQ Netzwerks – von A bis Z – gemeinsam das Ziel, die nachhaltige und bildungsadäquate Integration erwachsener Menschen ausländischer Herkunft in den deutschen Arbeitsmarkt voranzubringen.
Auf einen Blick
Das Förderprogramm IQ – Integration durch Qualifizierung
aktuelle ESF Plus-Förderperiode: 2021–2027
zweite Förderrunde: 1. Januar 2026 bis 31. Dezember 2028
Mittelgeber: Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) und EU über den Europäischen Sozialfonds Plus (ESF Plus)
Administration: Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF)
Partner in der Umsetzung: Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMBFSFJ) und Bundesagentur für Arbeit (BA)
Ziel der Förderung ist die Verbesserung der nachhaltigen und qualifikationsadäquaten Arbeitsmarktintegration von erwachsenen Menschen ausländischer Herkunft. Dazu trägt das Programm bei durch:
- Beratung und Begleitung bei Anerkennungsverfahren und Qualifizierungsverläufen
- Nutzung von Kompetenzen ausländischer Fach- und Arbeitskräfte in zukunftsträchtigen Bereichen (z. B. künstliche Intelligenz, Klimahandwerk, Umweltstandards)
- Unterstützung von Unternehmen und ihren Mitarbeitenden bei der Fachkräftesicherung durch ausländische Arbeitskräfte
- Förderung der Willkommens- und Anerkennungskultur
- Weiterentwicklung von Qualifizierungsangeboten mit Fokus auf Gruppenmaßnahmen
- Information, Schulung und Unterstützung von migrantischen Communitys zu Themen des Arbeitsmarkts, der Anerkennung sowie Qualifizierung
Alle Angebote des Förderprogramms sind kostenfrei.
Demnächst finden Sie alle Angebote des IQ Netzwerks in Form einer Projektliste und einer interaktiven Deutschlandkarte auf der ►IQ Website.
Außerdem können Sie die AQB-Stellen über die ►Beratungssuche unseres Kooperationspartners Anerkennung in Deutschland suchen.
Viele Qualifizierungsangebote der RINIA sind auch bereits über die Anwendung ►Sprachförderung und Migration der Bundesagentur für Arbeit zu finden.
Beitrag von Katja Judas für den Newsletter 1/2026 des Förderprogramms IQ.
