Das Förderprogramm IQ - Integration durch Qualifizierung

In Deutschland lebten 2025 rund 21,8 Millionen Menschen mit Einwanderungsgeschichte. Das entspricht mehr als einem Viertel (26,3 Prozent) der Gesamtbevölkerung Deutschlands. Viele Faktoren führen dazu, dass Menschen mit Migrationsgeschichte etwa doppelt so stark von Arbeitslosigkeit betroffen sind wie Personen ohne Migrationsgeschichte.  In den vergangenen Jahren verzeichnete Deutschland eine hohe Zuwanderung. Maßgeblich waren dabei die Aufnahme von Geflüchteten, die Zuwanderung von Arbeits- und Fachkräften aus Drittstaaten sowie die Arbeitnehmerfreizügigkeit innerhalb der Europäischen Union Viele von ihnen verfügen über berufliche Bildungsabschlüsse oder andere wertvolle Qualifikationen, die auf dem deutschen Arbeitsmarkt dringend benötigt werden, deren Anerkennung jedoch häufig mit Hürden verbunden ist. Gleichzeitig bleiben trotz einer schwächeren Konjunktur Fachkräfteengpässe eine zentrale Herausforderung für den deutschen Arbeitsmarkt. 

Der Auftrag des Förderprogramms IQ – Integration durch Qualifizierung

Das Förderprogramm IQ – Integration durch Qualifizierung arbeitet seit 2005 an der Zielsetzung, die Arbeitsmarktchancen für Menschen mit Migrationsgeschichte zu verbessern. 

Die Wahrnehmung von Menschen mit Migrationsgeschichte ist häufig defizitär geprägt. Nicht nur für eine vielfältige Gesellschaft ist es wichtig, den Blick für die Potenziale von Eingewanderten zu schärfen und Diskriminierungen abzubauen, sondern auch für eine gelingende Arbeitsmarktintegration von Menschen mit Migrationsgeschichte. 

Nach dem erfolgreichen Verlauf des Förderprogramms IQ in der ESF-Förderperiode 2014 bis 2020 und vor dem Hintergrund der zunehmenden beruflichen Passungsprobleme am Arbeitsmarkt, wird das Programm in der ESF Plus Förderperiode 2021 bis 2027 weiterentwickelt. Zur nachhaltigen Stärkung der Fachkräftegewinnung und -sicherung in Deutschland knüpft es dabei an den bisher erzielten Ergebnissen an und entwickelt inhaltlich neue Konzepte und Lösungen. Von zentralem Interesse ist, die nachhaltige und bildungsadäquate Integration von erwachsenen Menschen ausländischer Herkunft in den Arbeitsmarkt zu verbessern. Darüber hinaus sollen etwaige prekäre Beschäftigungsbedingungen überwunden werden. 

Förderung

Das in allen 16 Bundesländern aktive Programm wird durch das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) und die Europäische Union über den ESF Plus in zwei Förderrunden – 2023 bis 2025 und 2026 bis 2028 – finanziert und vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) administriert. In der laufenden Förderrunde 2026 bis 2028 startete das Programm mit geplanten 217 Millionen Euro für bundesweit 108 Projekte mit mehr als 280 (Teil-)Vorhaben. Partner in der Umsetzung sind das Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMBFSFJ) und die Bundesagentur für Arbeit (BA).

Der ESF Plus ist Europas wichtigstes Instrument zur Förderung von Beschäftigung und sozialer Integration in Europa. Deutschland erhält in der ESF Plus-Förderperiode 2021–2027 rund 6,56 Mrd. Euro. Davon fließen rund 2,22 Mrd. Euro in das ESF Plus-Bundesprogramm und rund 4,34 Mrd. Euro in die ESF Plus-Aktivitäten der Bundesländer.
Weitere Infos zum ESF Plus unter: www.esf.de.


Die Angebote in der Förderrunde 2026-2028

Anerkennungs- und Qualifizierungsberatung

Zielgruppe der Anerkennungs- und Qualifizierungsberatungsstellen sind erwachsene Menschen ausländischer Herkunft mit Wohnsitz oder gewöhnlichem Aufenthalt in Deutschland. Beratungsgegenstand sind im Ausland erworbene akademische und berufliche Qualifikationen, die Grundlage für ein Berufsanerkennungsverfahren nach den Anerkennungsgesetzen von Bund und Ländern oder für einen alternativen Weg in eine qualifikationsadäquate abhängige Beschäftigung oder selbstständige Tätigkeit sein können. Neben formalen Berufsqualifikationen soll die Beratung auch im In- oder Ausland erworbene Kompetenzen und Qualifizierungen sowie Berufserfahrung mitberücksichtigen.  

Regionale Integrationsnetzwerke für internationale Arbeitskräfte (kurz: RINIA)

Ein Regionales Integrationsnetzwerk bezeichnet einen regionalen Projektverbund mehrerer Weiterleitungsempfänger in einer beantragten Region. Die Regionalen Integrationsnetzwerke setzen inhaltliche Teilvorhaben um. Zielgruppe sind erwachsene qualifizierte Arbeitskräfte ausländischer Herkunft mit Wohnsitz in Deutschland. Viele Angebote sind offen für Teilnehmende anderer Bundesländer, einige Angebote richten sich möglicherweise eher an Teilnehmende einer bestimmten Region, zum Beispiel da Schulungsinhalte spezifische Regelungen eines Bundeslandes aufgreifen. In diesen Fällen kann mit den Teilvorhaben eine Teilnahmemöglichkeit geklärt werden. Ein Teilvorhaben setzt mindestens eine der folgenden Aktivitäten um:

  • Gruppenqualifizierung: Berufsfachliche innovative Qualifizierungsangebote einschließlich Ausgleichs- und Anpassungsmaßnahmen des umsetzenden Trägers für Gruppen, die für die Aufnahme einer qualifikationsadäquaten Erwerbstätigkeit in Deutschland relevante berufsfachliche Kenntnisse vermitteln. Zielgruppe sind sowohl Personen, für die ein Anerkennungsverfahren erforderlich ist, als auch Personen, für die ein Anerkennungsverfahren nicht vorgesehen oder nicht aussichtsreich ist.
  • Qualifizierung on the Job (branchen-, berufs- und qualifikationsübergreifend): Der umsetzende Träger vermittelt selbst berufsfachliche Kenntnisse für einzelne Personen, die unterhalb ihrer im Ausland erworbenen Berufsqualifikationen oder beruflichen Potenziale in Arbeit vermittelt werden oder wurden, sowie für Arbeitsuchende und Beschäftigte, die aktuell noch nicht oder nicht als Fachkräfte beschäftigt sind. Qualifizierung on the Job ist durch das Teilvorhaben branchen-, berufs- und qualifikationsübergreifend auszugestalten und beinhaltet die berufsbegleitende Fortbildung durch den umsetzenden Träger.
  • Begleitprojekt: Branchen-, berufs- und qualifikationsübergreifende Begleitung und Vorbereitung bei der qualifikationsadäquaten Vermittlung in den Arbeitsmarkt, Mentoring und Coaching.

Regionale Integrationsnetzwerke Willkommens- und Anerkennungskultur internationaler Arbeitskräfte (kurz: RINWA) 

Ein Regionales Integrationsnetzwerk bezeichnet einen regionalen Projektverbund mehrerer Weiterleitungsempfänger in einer beantragten Region. Die Regionalen Integrationsnetzwerke bestehen aus Teilvorhaben, die unter anderem folgende Angebote vorhalten:

  • Unterstützung von Unternehmen beim Suchen, Finden, Einstellen und Halten im Betrieb von internationalen Fach- und Arbeitskräften;
  • bedarfsgerechte Informationsschulungen für Belegschaften, einschließlich der Berufsschülerinnen und Berufsschullehrkräfte, zur Vorbereitung auf Kooperationen mit internationalen Arbeitskräften. 

Interessierte Unternehmer*innen wenden sich bitte an das regional nächstgelegene RINWA. 

Branchen-, berufs- und qualifikationsübergreifende Aktivierungsprojekte (kurz: BBQA) 

Zielgruppen sind in Deutschland lebende Menschen ausländischer Herkunft und deren Communitys, Migrant*innenorganisationen oder migrationsspezifische Beratungsstellen. Ziel ist die Erhöhung der grundlegenden Informationen zum Arbeitsmarkt und zur Arbeitsaufnahme sowie ein Verweis auf IQ Angebote in allen Bundesländern. Teilweise wird auch individuelles, auf den Bedarf der Zuwanderer*innen ausgerichtetes Mentoring und Coaching angeboten. Das Angebot wird überwiegend von Migrant*innenselbstorganisationen umgesetzt. 

Bundesweite Unterstützungsstruktur im Förderprogramm IQ

Auf Bundesebene arbeiten die IQ Fachstelle Einwanderung und Integration und die IQ Fachstelle Anerkennung und Qualifizierung eng zusammen. Die Fachstellen unterstützen die Programmakteure bei der Umsetzung des Programms in den Regionen, sorgen für eine (fachspezifische) Vernetzung, die Identifizierung von IQ Good Practice und verbreiten Arbeitsergebnisse im Netzwerk und in der Fachöffentlichkeit.


Kooperation

"Anerkennung in Deutschland" ist das mehrsprachige Portal der Bundesregierung zur Anerkennung ausländischer Berufsqualifikationen. Das Portal im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMBFSFJ) arbeitet in enger Kooperation mit dem Förderprogramm IQ.