Adressaten für Transfer
Arbeitsverwaltungen und Unternehmen

Veranstaltungsformat JobMesse „Let’s connect and match!“
Die Durchführung des Veranstaltungsformats für Migrant*innen ist eine gute Möglichkeit für Arbeitgebende, um internationale Fachkräfte als Mitarbeitende zu gewinnen und Diversität in Unternehmen zu stärken. Weibliche Fachkräfte werden durch „Let’s connect and match!“ empowert und erhalten einen bildungsadäquaten Zugang zum Arbeitsmarkt, der ihre berufliche Teilhabe sichert. Durch eine gezielte Planung mit Hilfe eines Leitfadens und einer Checkliste, Partnerschaften mit Akteuren wie MOs, Qualifizierungsträgern, Unternehmen sowie Kammern und öffentlichen Institutionen wird die JobMesse zu einer Plattform für ein erfolgreiches Matching.

Vorhaben
Konsortium zur bildungsadäquaten Beschäftigung von Migrant*innen und Projekt Internationale Fachkräfte: Berlin

Träger
Senatsverwaltung für Arbeit, Soziales, Gleichstellung, Integration, Vielfalt und Antidiskriminierung – Beauftragte des Senats von Berlin für Integration und Migration

Projektansprechpartnerinnen
Anna Stahl-Czechowska (Projektleitung Konsortium zur bildungsadäquaten Beschäftigung von Migrant*innen und Öffentlichkeitsarbeit) und Birgit Gust (Projektleitung RIN Berlin)
Potsdamer Straße 65 / 10785 Berlin
0151 15075680 / 0151 29276996
AnnaMaria.Stahl-Czechowska(at)IntMig.berlin.de
Birgit.Gust(at)IntMig.berlin.de

Angebot
Weitere Informationen zu beiden
Veranstaltungen finden Sie hier:

2024: https://la-red.eu/internationale-fachkraefte-berlin-fuer-fachkraefte/jobmesse-lets-connect-und-match
2025: https://la-red.eu/lets-connect-and-match

Alle bisher erschienenen IQ Good Practice-Beispiele finden Sie unter
https://www.netzwerk-iq.de

„Let’s connect and match!“

Veranstaltungsformat JobMesse für ein bildungsadäquates Matching von internationalen (weiblichen) Fachkräften und Arbeitgebenden

Ausgangslage/Herausforderung

Trotz der Anerkennung ihrer ausländischen Abschlüsse und der Teilnahme an Qualifizierungsprojekten werden zahlreiche internationale Fachkräfte, darunter viele Frauen, nicht ihrer Ausbildung entsprechend beschäftigt. Ein wesentlicher Grund dafür liegt in der mangelnden Passgenauigkeit bestehender Matching-Formate, die häufig zu groß angelegt, zu unpersönlich und für die spezifischen Bedürfnisse einer (weiblichen) Zielgruppe nur bedingt geeignet sind. Gleichzeitig stehen kleine und mittelständische Unternehmen (KMU) vor der Herausforderung, mit begrenzten Personalressourcen neue Mitarbeitende zu gewinnen. Die Teilnahme an großen Jobmessen ist für sie oft nicht rentabel, da der Aufwand in keinem Verhältnis zum tatsächlichen Ertrag steht.

Umsetzung des Veranstaltungsformates

Das Ziel des Berliner „Konsortium für die bildungsadäquate Beschäftigung von Migrant*innen“ für das Regionale Integrationsnetzwerk (RIN) Berlin in Kooperation mit dem Projekt „Internationale Fachkräfte: Berlin (IF:B)“ der Migrant*innenorganisation La Red war es, ein innovatives Format mit dem Titel „Let’s connect and match!“ zu entwickeln, um qualifizierte Fachkräfte in bildungsadäquate Jobs zu bringen. Der Fokus sollte modellhaft auf Frauen mit Migrations- bzw. Fluchterfahrung liegen. Es sollte ein Paradigmenwechsel angestoßen werden, in dem internationale Fachkräfte von Unternehmen als Potenzial gesehen werden und eine faire Chance und Raum erhalten, sich vollumfänglich vorzustellen. Von dem Projekt Konsortium wurde eine interdisziplinäre Fokusgruppe ins Leben gerufen, in der u.a. die Vorhaben aus dem RIN Berlin, den Anerkennungs- und Qualifzierungsberatungsstellen und Migrant*innenorganisationen, der IHK, den Arbeitsagenturen und Jobcenter sowie Unternehmen vertreten waren. Die Akteur*innen identifizierten strukturelle und komplexe Barrieren auf dem Weg zur bildungsadäquaten Beschäftigung, dabei legten sie einen Fokus auf Matching. Im Rahmen des Projekts Konsortium wurde das Veranstaltungskonzept entwickelt. In einem ersten Schritt wurde eine Online-Veranstaltung zur Vorbereitung der Unternehmen und der Präsentation von Lösungsansätzen auf „Barrieren“ wie bspw. Spracherwerb und Integrationsmanagement geplant. Ein intensives Briefing und Vorbereitung von internationalen Fachkräften mit Erstellen von anonymisierten Profilen und Überarbeitung der Lebensläufe bildete die nächste Etappe. Danach konnte zum ersten Mal eine Testphase für den Prototyp der Jobmesse gestartet werden, die Durchführung einer modelhaften Matchingveranstaltung und einer anschließenden Evaluation. Die Ergebnisse und Nachbesserungen dienten als Grundlage für einen Leitfaden. Dieser wurde im Rahmen eines Erfahrungsaustauschs mit Stakeholdern aus der Bundesagentur für Arbeit, der IHK, der Senatsverwaltung für Wirtschaft und Betriebe sowie weiteren Partnern und zivilgesellschaftlichen Projekten, die im Bereich der Arbeitsmarktintegration in Berlin tätig sind, weiterentwickelt und über Social-Media-Kanäle verbreitet.

Fazit

Nach der ersten Veranstaltung im September 2024 wurde deutlich, dass Fachkräfte, Arbeitgebende und Beratungsinstitutionen, der JobMesse „Let’s connect and match!“ ein sehr positives Feedback gaben. 93 Prozent der Aussteller*innen hatte die Veranstaltung sehr bis gut gefallen, 67 Prozent der Aussteller*innen hatten mit mehr als 15 von 65 Personen konkrete Matching-Gespräche geführt. Für die Initiator*innen wurde deutlich, dass die intensive Vorbereitung der internationalen Fachkräfte im Vorfeld entscheidend war. Arbeitgeber*innen und Unternehmen müssen im Vorfeld gut gebrieft werden, dazu gehört die Vorbereitung von konkreten Stellenprofilen bzw. -ausschreibungen, die zur Matching-Veranstaltung mitgebracht werden sowie ausführliche Informationen über die internationalen Fachkräfte und eine Klärung des Ablaufs und des Erwartungshorizontes.

„Let’s meet! Unternehmen treffen Fachkräfte“

Ebenfalls ein erfolgreiches IQ Format zum Empowerment von qualifizierten Frauen mit Migrations- und Fluchtgeschichte ist die Veranstaltungsreihe „Let’s meet! Unternehmen treffen Fachkräfte“. Es wurde vom Kölner Vorhaben „Passgenau“ im RIN NRW-West initiiert, um Migrantinnen neue berufliche Perspektiven zu eröffnen und Unternehmen dabei zu helfen, Fachkräfte zu finden. Mit der Unterstützung von IHK, HWK, Stadt Köln, Jobcenter und weiteren Institutionen wurde ein Netzwerk geschaffen, das nicht nur auf berufliche Verbindungen abzielt, sondern auch auf allen Seiten um Vertrauen und Verständnis wirbt. „Um die Vielfalt und Potenziale der Frauen sichtbar zu machen, sind Begegnungen entscheidend“, erklärt Canan Ulug, Projektleiterin und Initiatorin des Formats. Weitere Informationen finden Sie hier: youtube.com/watch?v=lISJ8Wyao6U

„Begegnungen auf Augenhöhe“

Drei Fragen an Anna Stahl-Czechowska, Projektleiterin des Konsortiums zur bildungsadäquaten Beschäftigung von Migrant*innen

Was zeichnet den innovativen Charakter des Veranstaltungsformats JobMesse „Let’s connect and match!“ aus?

Innovativ ist vor allem die agile Methodik in der Vorbereitung und Umsetzung des Formats. Die internationalen Fachkräfte wurden mit ihren Bedürfnissen in den Mittelpunkt gestellt und damit eine nutzer*innenorientierte Lösung entwickelt. Zur Innovation gehört auch die kollaborative Ausarbeitung des Ansatzes. Eine divers besetzte Fokusgruppe brachte Elemente wie die intensive Vorbereitung und das Empowerment der Fachkräfte ein und sorgte für das ausführliche Briefing der Unternehmen im Vorfeld. Die konkrete Unterstützung des Matching-Prozesses wurde im Vorfeld durch die migrantische Organisation La Red organisiert sowie durch Qualifizierungsträger umgesetzt. Darüber hinaus waren Beratungsprojekte, die den Unternehmen Lösungen zu Hürden wie bspw. Spracherwerb anbieten konnten, sehr wichtig. Neu ist auch die Durchführung in einer anregenden Atmosphäre, die Begegnungen auf Augenhöhe ermöglichte. Die Zusammenarbeit der Verwaltung mit der MO mit Blick auf die Zielgruppe internationale Fachkräfte hat sich besonders bewährt. Nach der Testphase wurde der Prototyp iterativ nachgebessert und ein Leitfaden ausgearbeitet.

Was ermöglicht es, das Veranstaltungsformat JobMesse „Let’s connect and match!“ erfolgreich zu transferieren?

Mit Hilfe des Leitfadens und der dort enthaltenen Checkliste, die die selbständige Durchführung des Formats unterstützt, lassen sich die Gelingensfaktoren für eine Matchingveranstaltung auch auf andere Bundesländer transferieren. Der Leitfaden wurde Stakeholdern wie der BA und der IHK sowie weiteren Projekten im Bereich Arbeitsmarktintegration präsentiert. Das Konzept und die ersten Ergebnisse direkt nach der Veranstaltung im September 2024 wurden der IQ Fachstelle „Einwanderung und Integration“ und anderen RIN vorgestellt. Das Format rief auch das Interesse anderer Bundesländer hervor, die Matching-Veranstaltungen erproben. Im Oktober 2025 ist die nächste Matching-Veranstaltung 2.0 geplant, die um weitere Kooperationspartner*innen u.a. JobCenter erweitert wird.

Worin sind die nachhaltigen Aspekte des IQ Good Practice-Beispiels zu finden?

Die Veranstaltung bekam ein sehr gutes Feedback von allen Beteiligten. Vor allem die Unternehmen machten bereits während und nach der Job-Messe auf ihren Social-Media-Kanälen mit eigenen Beiträgen auf die „Let’s connect and match!“ aufmerksam. Inzwischen konnten erste Arbeitsverträge zwischen Fachkräften und Arbeitgebenden geschlossen werden. Die Kooperation zwischen RIN Berlin und den Arbeitgebenden wird ausgebaut. Durch die Nutzung eines digitalen Projektmanagementtools konnte eine effiziente Kommunikation und nachhaltige Dokumentation gewährleistet werden.

Autor*innen: Birgit Gust, Anna Stahl-Czechowska (Senatsverwaltung für Arbeit, Soziales, Gleichstellung, Integration, Vielfalt und Antidiskriminierung)
Redaktion: Christian Zingel (ebb GmbH)
Layout: Miriam Farnung (ebb GmbH)
Fotos: Senatsverwaltung für Arbeit, Soziales, Gleichstellung, Integration, Vielfalt und Antidiskriminierung; Kopf und Kragen
Stand: 2025