BBQA: Communitys von Menschen mit Migrationsgeschichte als Zielgruppe und aktive Akteur*innen im Förderprogramm IQ

Die neuen Aktivierungsprojekte (BBQA) im Förderprogramm IQ setzen gezielt auf die Stärke migrantischer Communitys – nicht nur als Zielgruppe, sondern als aktive Mitgestalter*innen. Durch ihre Netzwerke, Sprachkompetenzen und Vertrauensstrukturen tragen sie maßgeblich dazu bei, arbeitsmarktbezogene Informationen wirksam zu verbreiten. Besonders soziale Medien eröffnen dabei neue Wege für niedrigschwellige Ansprache und digitale Beratung. Bundesweit entstehen so innovative Formate, die Information, Coaching und Vernetzung miteinander verbinden. Die BBQA leisten damit einen wichtigen Beitrag zu einer nachhaltigen und zielgruppengerechten Integration in den deutschen Arbeitsmarkt.

Im Rahmen der Förderrunde 2026–2028 des Förderprogramms IQ – Integration durch Qualifizierung sind erstmals auch überregionale branchen-, berufs- und qualifikationsübergreifende Aktivierungsprojekte (BBQA) tätig. Ziel der BBQA ist es, in Deutschland lebende Menschen mit Migrationsgeschichte sowie internationale Arbeitskräfte zielgerichtet über den deutschen Arbeitsmarkt zu informieren und ihre Integration nachhaltig zu unterstützen. Dabei werden migrantische Communitys1 nicht allein als Adressat*innen dieser Arbeit verstanden, sondern auch als eigenständige Akteur*innen, die durch ihre Netzwerke, Organisationsstrukturen und Kompetenzen aktiv zur Erreichung der Projektziele beitragen.

In migrantischen Communitys spielen insbesondere persönliche Netzwerke und soziale Medien eine zentrale Rolle für die arbeitsmarktbezogene Orientierung. Sie werden deutlich häufiger genutzt als Angebote öffentlicher oder privater Arbeitsvermittlung oder staatlicher Stellen wie Auslandsvertretungen2. Vor diesem Hintergrund kommen der Reichweite und Wirksamkeit sozialer Netzwerke innerhalb der Communitys eine besondere Bedeutung zu – und zugleich wird deutlich, welches Potenzial in den Communitys selbst als Informationsmultiplikator*innen liegt. Wichtig sind hierbei mehrsprachige Informationen, da dadurch ein niedrigschwelliger Zugang ermöglicht, die Verständlichkeit der Inhalte erhöht und das Vertrauen in die Informationen gestärkt wird.

Bundesweit gibt es neun Aktivierungsprojekte mit unterschiedlichen fachlichen Schwerpunkten und komplementären Kompetenzen. Drei der BBQA werden als Einzelprojekte umgesetzt, während die übrigen als Projektverbünde organisiert sind.

Die Projekte greifen auf bestehende Netzwerke zurück und erweitern ihre Reichweite im Rahmen der BBQA sowohl im digitalen Raum als auch in Städten, Regionen und Bundesländern. Vor Ort ansässige Communitys werden dabei nicht lediglich eingebunden, um Zielgruppen besser zu erreichen – sie bringen eigenes Wissen, Sprachen und Vertrauen ein und gestalten die Angebote aktiv mit. Der Einbindung von Migrant*innenselbstorganisationen kommt hierbei eine zentrale Rolle zu, da sie wesentlich zur bedarfsgerechten Ausgestaltung der Informationsangebote beitragen. Dies betrifft sowohl die inhaltliche Schwerpunktsetzung als auch die sprachliche Ausrichtung und die angemessene Komplexität der vermittelten Informationen.

Die BBQA leisten einen wesentlichen Beitrag zur Weiterentwicklung des IQ-Angebots, indem sie dieses um zielgruppenspezifische Formate ergänzen. Hierzu zählen u. a. Informationsveranstaltungen, Schulungen sowie individuelle Coaching- und Beratungsangebote, die in Präsenz, digital oder in hybriden Formaten durchgeführt werden können. Darüber hinaus erfolgt eine aufsuchende Beratung in sozialen Medien in Form von digital Streetwork3. Angesichts der zunehmenden Verbreitung von Fehlinformationen kommt den BBQA eine wichtige Funktion bei der Bereitstellung verlässlicher, verständlicher und qualitätsgesicherter Informationen rund um das Thema Integration4 in den deutschen Arbeitsmarkt zu.

Die fachliche Begleitung der BBQA erfolgt durch die Fachstelle Einwanderung und Integration, die diese in Zusammenarbeit mit der Fachstelle Anerkennung und Qualifizierung u. a. bei der Umsetzung ihrer Informations- und Beratungsangebote unterstützt. Zur Förderung des fachlichen Austauschs zwischen den Vertreter*innen der Projekte, den Fachstellen sowie weiteren relevanten Akteur*innen und dem Bundesministerium für Arbeit und Soziales als Mittelgeber finden zweimal jährlich Vernetzungstreffen statt. Ergänzend dazu trifft sich ebenfalls zweimal jährlich ein sogenanntes digitales Themengremium. Dieses dient der Koordination zentraler Themen und Formate der BBQA und zielt darauf ab, Synergien zwischen den beteiligten Trägern und Migrant*innenorganisationen systematisch zu erschließen und sie mithilfe der Ressourcen des Förderprogramms IQ zu stärken.

Mit den BBQA intensiviert das Förderprogramm IQ seine adressat*innengerechte Ansprache von Communitys und erkennt zugleich deren Rolle als gestaltende Akteur*innen an. So leistet es einen wichtigen Beitrag dazu, Menschen mit Migrationsgeschichte auf ihrem Weg in eine nachhaltige Integration als Arbeits- und Fachkräfte in den deutschen Arbeitsmarkt zu unterstützen.

Duden, 2026: Community. https://www.duden.de/rechtschreibung/Community (20.04.2026)

Stapf, T., 2019: Migration / Digital – Die Bedeutung der Soziale Medien für Ankommen, Orientierung und Teilhabe von Neuzugewanderten in Deutschland. Berlin: Mensch und Buch Verlag.

Ferchichi, R. & Pfeffer-Hoffmann, C. (Hrsg.), 2024: Migrationsberatung in sozialen Medien – Beratungsrichtlinien. Version 4.0. Leverkusen: Verlag Barbara Budrich.

Pfeffer-Hoffmann, C. (Hrsg.), 2022: Migrationsberatung in sozialen Medien. Berlin: Mensch und Buch Verlag


Beitrag der Fachstelle Einwanderung und Integration für den Newsletter 1/2026 des Förderprogramms IQ.

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