Ein Blick in die Bundesländer
1. Einleitung
Der deutsche Arbeitsmarkt befindet sich in einem tiefgreifenden Wandel, der sich aus langfristigen und kurzfristigen Entwicklungen speist. Langfristig wirkt vor allem die demografische Entwicklung: Die geburtenstarken Babyboomer-Jahrgänge erreichen zunehmend das Rentenalter, und da deutlich kleinere Kohorten nachrücken, schrumpft das Arbeitskräfteangebot. Nach der aktuellen Prognose des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) sinkt das Erwerbspersonenpotenzial 2026 erstmals, und zwar um 70.000 Personen; 2027 fällt der Rückgang mit rund 140.000 Personen sogar doppelt so hoch aus (Gartner et al. 2026).
Zu diesem strukturellen Rückgang des Angebots treten Belastungen auf der Nachfrageseite: die Folgen der langjährigen Konjunkturschwäche, geopolitische Unsicherheiten, wieder steigende Energiepreise und der Strukturwandel der Industrie. Eine konjunkturelle Stabilisierung kann den strukturellen Rückgang des Arbeitskräfteangebots nur mildern, im Jahr 2026 sinkt die Zahl der Erwerbstätigen um 210.000 Personen. Der Abbau konzentriert sich dabei auf das Produzierende Gewerbe ohne Baugewerbe, wo rund 155.000 bis 160.000 Stellen wegfallen, während vor allem bei den öffentlichen Dienstleistern sowie in Erziehung und Gesundheit Beschäftigung entsteht (ebd.). Hinzu kommt, dass der zunehmende Einsatz Künstlicher Intelligenz die Qualifikationsanforderungen und Tätigkeitsprofile vieler Beschäftigter verändert (ebd.). Der Beschäftigungsaufbau und -abbau verläuft damit nicht nur zwischen, sondern auch innerhalb der Branchen entlang veränderter Anforderungen.
Angesichts des Rückgangs des Arbeitskräfteangebots und den weiteren genannten Faktoren gewinnt die Zuwanderung für den Arbeitsmarkt stets an Bedeutung. Sie stabilisiert nicht nur das Arbeitskräfteangebot, sondern hilft auch, den steigenden Fachkräftebedarf in vielen Branchen zu decken. Dabei verändert sich das Zuwanderungsgeschehen selbst: Während die Neuzuwanderung aus EU-Staaten zurückgeht, da auch dort der demografische Wandel eine Rolle spielt und viele bereits in andere EU-Staaten wie Deutschland ausgewandert sind, gewinnt die Zuwanderung aus Drittstaaten an Gewicht (siehe Kapitel 2).
Die vorliegende Publikation knüpft an die Analyse Arbeitsmarkt und Zuwanderung im Wandel aus dem Jahr 2025 an und aktualisiert deren zentrale Befunde. Sie untersucht, wie sich die Zuwanderung verändert, wie sich die Beschäftigung der verschiedenen Zuwanderungsgruppen entwickelt und welche Folgen der Strukturwandel für Personen mit ausländischer Staatsangehörigkeit hat. Dabei stehen drei Fragen im Mittelpunkt: Wie verteilt sich die Zuwanderung regional? Welchen Beitrag leisten die einzelnen Gruppen zur Beschäftigungsentwicklung? Welchen Risiken sind sie am Arbeitsmarkt ausgesetzt?
Während die vorherige Veröffentlichung die Entwicklungen auf Bundesebene betrachtete, ermöglicht die folgende Analyse auch eine regionale Perspektive. Hierzu werden aktuelle Daten zu Arbeitsmarkt, Beschäftigung und Zuwanderung auf Ebene der Bundesländer und, soweit verfügbar, auch der Kreise und kreisfreien Städte dargestellt. Im Mittelpunkt der Publikation stehen dabei die grafischen Darstellungen der Daten. Sämtliche Grafiken wurden mit dem Visualisierungstool Tableau erstellt und können von der Leserschaft für die jeweiligen Regionen heruntergeladen sowie für eigene Analysen und öffentlichkeitswirksame Informationskampagnen genutzt werden. Die begleitenden Texte beschränken sich bewusst auf kurze Einordnungen zentraler Entwicklungen auf Bundesebene. Ziel ist es, Nutzer*innen die Daten für ihr Bundesland oder ihre Region in anschaulichen Grafiken zur Verfügung zu stellen und somit die Möglichkeit zu geben, regionale Besonderheiten sichtbar zu machen.
Die jeweiligen Grafiken beleuchten jeweils nur einzelne Aspekte der Entwicklungen von Arbeitsmarkt und Zuwanderung. Erst die gemeinsame Betrachtung verschiedener Indikatoren ermöglicht ein differenziertes Bild. Die Grafiken sind daher nicht isoliert zu interpretieren. Regionale Entwicklungen lassen sich häufig erst einordnen, wenn weitere Faktoren wie Bevölkerungsstruktur, Zu- und Fortzüge oder Beschäftigungsentwicklung mitberücksichtigt werden. Für belastbare Schlussfolgerungen empfiehlt es sich deshalb, die einzelnen Auswertungen stets im Zusammenhang mit weiteren Kennzahlen und den übergeordneten Entwicklungen zu betrachten.
Infobox 1 und 2 geben einen Überblick über die zentralen Begriffe und Kategorien, die den folgenden Auswertungen zugrunde liegen.
Infobox 1: Gruppierung von Staatsangehörigkeiten
- Deutsche Staatsangehörigkeit: Alle Personen mit deutscher Staatsangehörigkeit. Personen, die neben der deutschen Staatsbürgerschaft noch eine weitere Staatsbürgerschaft haben, werden ebenfalls als Deutsche erfasst.
- EU-Länder: Alle übrigen 26 Mitgliedstaaten der Europäischen Union (ohne Deutschland).
- Drittstaaten: Alle Nicht-EU-Länder.
- EU-11 (EU-Osterweiterung): Estland, Lettland, Litauen, Polen, Slowakei, Slowenien, Tschechien, Ungarn, Bulgarien, Rumänien, Kroatien.
- EU-13 (EU-Erweiterung seit 2004): Erweiterte Kategorie, die neben den EU-11 auch Zypern und Malta umfasst (EU-Mitglieder seit 2004 bzw. 2007/2013).
- Asylherkunftsländer: Das Aggregat „Asylherkunftsländer“ umfasst in den Statistiken der Bundesagentur für Arbeit die acht wichtigsten Herkunftsstaaten von Asylbewerber*innen der Jahre 2012–2015: Afghanistan, Eritrea, Irak, Iran, Nigeria, Pakistan, Somalia und Syrien.
- Osteuropäische Drittländer: Ukraine, Moldau, Belarus und Russland.
- Andere Länder: Dies umfasst jeweils alle Staatsangehörigkeiten, die nicht bereits einer der gesondert ausgewiesenen Gruppen einer Abbildung zugeordnet sind. Dies sind in der Regel Staatsangehörige der „alten“ EU-Mitgliedstaaten sowie die übrigen Drittstaaten, die weder den Asylherkunftsländern noch den osteuropäischen Drittländern zugerechnet werden.
Infobox 2: Anforderungsniveau der Tätigkeiten
Die Bundesagentur für Arbeit (2011, S. 27-28) ordnet Tätigkeiten den folgenden vier Anforderungsniveaus zu:
- Helfer– und Anlerntätigkeiten (Anforderungsniveau 1): Dieses Anforderungsniveau umfasst Tätigkeiten mit eher einfachen Aufgaben, für die in der Regel keine formale berufliche Qualifikation erforderlich ist.
- Fachkräfte, fachlich ausgerichtete Tätigkeiten (Anforderungsniveau 2): Dieses Anforderungsniveau umfasst Berufe, für deren Ausübung spezifische fachliche Kenntnisse und Fertigkeiten erforderlich sind. Die hierfür notwendigen Qualifikationen werden in der Regel durch eine mindestens zwei- oder dreijährige Berufsausbildung erworben. Bei im Ausland erworbenen Abschlüssen ist grundsätzlich eine formale Anerkennung der Gleichwertigkeit in Deutschland erforderlich.
- Spezialist*innen, komplexe Tätigkeiten (Anforderungsniveau 3): Dieses Anforderungsniveau umfasst Berufe mit erhöhten fachlichen Anforderungen und komplexeren Aufgabenstellungen. Die hierfür erforderlichen Kenntnisse werden häufig durch eine Meister- oder Technikerausbildung, eine Fachschulausbildung oder einen ersten Hochschulabschluss erworben.
- Expert*innen, hoch komplexe Tätigkeiten (Anforderungsniveau 4): Dieses Anforderungsniveau umfasst Berufe mit besonders hohen fachlichen Anforderungen und komplexen Aufgabenstellungen. Die hierfür erforderlichen Kenntnisse werden meist durch ein abgeschlossenes Hochschulstudium auf Master-Niveau, ein Diplom, ein Staatsexamen oder eine Promotion erworben.
Die Revision der Klassifikation der Berufe (KldB 2010) im Jahr 2020 brachte Änderungen in der beruflichen Zuordnung und Systematik mit sich, die teilweise erhebliche Auswirkungen auf die Arbeitsmarktstatistik hatten. Insbesondere in den Jahren 2020 und 2021 führten die Anpassungen zu statistischen Verschiebungen zwischen den Anforderungsniveaus. Ein Beispiel hierfür ist die Zuordnung von Servicekräften im Gastronomiebereich, die seit 2021 dem Anforderungsniveau „Helfer“ statt „Fachkraft“ zugeordnet werden. Da die Änderungen nicht rückwirkend angewendet wurden, ist die Vergleichbarkeit mit früheren Zeiträumen eingeschränkt. Besonders sichtbar werden die Effekte in den Statistiken zu Arbeitslosigkeit und gemeldeten Stellen, während sie sich in der Beschäftigungsstatistik aufgrund der Bestandsfortschreibung nur schrittweise niederschlagen.
Von den jüngsten Umgruppierungen betroffen sind vor allem:
- Mechatronik-, Energie- und Elektroberufe,
- Schutz-, Sicherheits- und Überwachungsberufe,
- Tourismus-, Hotel- und Gaststättenberufe,
- Erziehungs-, soziale, hauswirtschaftliche Berufe sowie Theologie.
Bei der Interpretation der Ergebnisse ist zu berücksichtigen, dass ein Teil des Rückgangs bei den Fachkräften sowie des Anstiegs bei Helfer- und Spezialist*innentätigkeiten auf die veränderte Zuordnung von Berufen zurückgeht. Die erkennbaren Trends bestehen zwar grundsätzlich fort, können in ihrer Intensität jedoch durch die statistischen Umstellungen verstärkt erscheinen.
2. Zuwanderung im Wandel
2.1 Wanderungen zwischen Deutschland bzw. den Bundesländern und dem Ausland
Die folgenden Grafiken in den Abbildungen 1a und b zeigen die Zu- und Fortzüge über die Grenze Deutschlands sowie das daraus resultierende Wanderungssaldo nach Staatsangehörigkeitsgruppen und Jahren für die einzelnen Bundesländer sowie für Deutschland insgesamt.
Die Wanderungsbewegungen von Drittstaatsangehörigen wurden im Betrachtungszeitraum maßgeblich durch die Fluchtmigration infolge des russischen Angriffskriegs in der Ukraine geprägt. So stiegen die Zuzüge von Drittstaatsangehörigen im Jahr 2022 auf rund 1,7 Millionen Personen und erreichten damit ihren Höchststand. In den Folgejahren gingen die Zuzüge kontinuierlich zurück, lagen 2025 mit rund 683.000 Personen jedoch weiterhin deutlich über dem Niveau von 2019. Der Rückgang hängt dabei nicht nur mit den rückläufigen Zuzügen aus der Ukraine zusammen. Auch aus anderen Herkunftsländern von Schutzsuchenden, insbesondere aus Syrien, gingen die Zuwanderungszahlen zurück. Gleichzeitig liegen die Fortzüge von Drittstaatsangehörigen seit 2023 auf einem hohen Niveau, zuletzt zeichnet sich jedoch ein leichter Rückgang ab.
Mit Blick auf die EU-Staatsangehörige zeigt sich, dass deren Zuzüge zwischen 2019 und 2025 insgesamt deutlich zurückgingen. Während dieser Rückgang zunächst weitgehend parallel zur Entwicklung der Fortzüge verlief, nahmen die Fortzüge ab 2022 wieder leicht zu. Dadurch verringerte sich der Wanderungsüberschuss schrittweise. Besonders zwischen 2023 und 2024 beschleunigte sich diese Entwicklung: Die Zahl der Fortzüge stieg innerhalb eines Jahres um mehr als 50.000 Personen auf 367.280 Personen, während die Zuzüge gleichzeitig auf 352.605 Personen zurückgingen. Damit überstieg die Zahl der Fortzüge erstmals die Zahl der Zuzüge, sodass der Wanderungssaldo der EU-Staatsangehörigen 2024 erstmals negativ ausfiel. Im Jahr 2025 setzte sich diese Entwicklung fort. Zwar gingen sowohl Zu- als auch Fortzüge zurück, der Rückgang der Zuzüge fiel jedoch stärker aus, sodass sich der negative Wanderungssaldo auf -32.170 Personen ausweitete. Positiv war der Wanderungssaldo für EU-Staatsangehörige 2025 nur in Berlin, Bremen und im Saarland. Damit verliert eine für den deutschen Arbeitsmarkt lange wichtige Zuwanderungsgruppe an Dynamik: Insbesondere Beschäftigte aus den seit 2004 beigetretenen mittel- und osteuropäischen EU-Staaten (EU-13) haben über Jahre wesentlich zur Deckung des Arbeitskräftebedarfs beigetragen.
Interaktives Diagramm: Zu- und Fortzüge von Drittstaats- und EU-Staatsangehörigen aus dem und ins Ausland als Liniendiagramm (1a) und die Nettozuwanderung als Säulendiagramm (1b), 2019 bis 2025, wählbar nach Bundesland
Abbildung 1a-b: Zu- und Fortzüge ausländischer Staatsangehöriger aus bzw. ins Ausland (1a) und die entsprechende Nettozuwanderung aus dem Ausland (1b) unterteilt nach Staatsangehörigkeitsgruppe und Jahr für Deutschland und die Bundesländer
Ausländerstatistik. Stichtag: jeweils 31.12. Eigene Darstellung nach Statistisches Bundesamt 2026 © Minor
2.2 Wanderungen zwischen den Bundesländern
Abbildung 2 stellt die Wanderung von ausländischen Staatsangehörigen zwischen den Bundesländern dar, somit Formen der Sekundärmigration innerhalb Deutschlands.
Bei Drittstaatsangehörigen ist Nordrhein-Westfalen 2025 mit einem positiven Wanderungssaldo von 7.595 Personen das wichtigste Zielbundesland für Drittstaatsangehörige bei Wanderungen innerhalb Deutschlands. Auch Berlin (+4.865) und Hamburg (+3.075) verzeichnen deutliche Wanderungsgewinne. Demgegenüber weisen insbesondere die ostdeutschen Bundesländer Sachsen (-4.140), Thüringen (-3.515), Sachsen-Anhalt (-2.795), Brandenburg (-2.170) und Mecklenburg-Vorpommern (-2.095) Wanderungsverluste von Drittstaatsangehörigen auf. In Thüringen und Brandenburg haben die Wanderungsverluste zudem seit 2023 kontinuierlich zugenommen. Bei den EU-Staatsangehörigen fallen die Wanderungssalden insgesamt deutlich geringer aus als bei Drittstaatsangehörigen. Das höchste positive Wanderungssaldo verzeichnet Bayern mit 1.425 Personen. Daneben weisen auch Brandenburg, Sachsen, Schleswig-Holstein und Bremen leichte Wanderungsgewinne auf. Wanderungsverluste zeigen sich hingegen in Berlin, Hamburg, Nordrhein-Westfalen und Hessen.
Interaktives Diagramm: Nettozuwanderung ausländischer Staatsangehöriger aus anderen Bundesländern, nach Staatsangehörigkeitsgruppe, Jahr und Bundesland
Abbildung 2: Nettozuwanderung aus dem Inland (Bundesländerebene) unterteilt nach Staatsangehörigkeitsgruppe und Jahr für Deutschland und die Bundesländer
Ausländerstatistik. Stichtag: jeweils 31.12. Eigene Darstellung nach Statistisches Bundesamt 2026 © Minor
3. Arbeitsmarkt im Wandel
Das folgende Kapitel analysiert die aktuelle Entwicklung der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung differenziert nach Staatsangehörigkeit, Geschlecht, Alter, Betriebsgröße, Anforderungsniveau, Berufsbereichen und Wirtschaftszweigen. Grundlage der Auswertungen sind Daten zu sozialversicherungspflichtig Beschäftigten nach Staatsangehörigkeit jeweils zum Stichtag im September eines Jahres, zuletzt für September 2025. Zum Zeitpunkt der Erstellung dieses Berichts standen keine aktuelleren, nach Staatsangehörigkeit differenzierten Beschäftigtendaten zur Verfügung.
Ergänzend zur Analyse der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten werden in diesem Kapitel im Anschluss Beschäftigungs- und Arbeitslosenquoten sowie die Entgeltentwicklung betrachtet. Diese Indikatoren zeigen nicht nur, in welchem Umfang unterschiedliche Bevölkerungsgruppen am Arbeitsmarkt teilhaben, sondern auch, welche Unterschiede bei den Erwerbschancen und Einkommen bestehen. Die Analysen stützen sich auf Daten der Bundesagentur für Arbeit zu den Beschäftigungs- und Arbeitslosenquoten nach Staatsangehörigkeit bis März 2026. Ergänzend werden Daten zum Bruttomedianentgelt sozialversicherungspflichtig beschäftigter Vollzeitkräfte nach Staatsangehörigkeit zum 31. Dezember 2025 herangezogen.
3.1 Entwicklung der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung in den Bundesländern und Landkreisen bzw. kreisfreien Städten
Abbildungen 3a und b zeigen, wie sich die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung nach Staatsangehörigkeitsgruppen jeweils zum Vorjahr entwickelt hat. Abbildung 3b zeigt, dass die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten mit deutscher Staatsangehörigkeit in den vergangenen drei Jahren gegenüber dem jeweiligen Vorjahr kontinuierlich zurückgegangen ist und sich dieser Rückgang zuletzt verstärkt hat. Während 2023 im Vergleich zum Vorjahr noch ein Minus von rund 100.000 Beschäftigten verzeichnet wurde, hat sich der Rückgang bis 2025 mehr als verdoppelt und lag im Vergleich zum Vorjahr bei etwa 234.000 Personen. Auch bei Beschäftigten aus den EU-13-Staaten fiel die Entwicklung nach einem leichten Zuwachs im Jahr 2023 seit 2024 negativ aus. Dieser Beschäftigungsrückgang bei deutschen und EU-13-Staatsangehörigen zeigt sich sowohl in West- als auch in Ostdeutschland. Besonders ausgeprägt war der Rückgang deutscher sozialversicherungspflichtig Beschäftigter 2025 in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen, wo die Beschäftigung gegenüber dem Vorjahr um 1,5 bis 1,7 % sank. Ein möglicher Erklärungsansatz liegt in der vergleichsweise alten Bevölkerungsstruktur dieser (und anderer ostdeutscher) Bundesländer, wodurch dort viele Beschäftigte altersbedingt aus dem Erwerbsleben ausscheiden (Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung 2026). Bei Beschäftigten aus den EU-13-Staaten wurde der stärkste Rückgang in Thüringen mit 3,7 % verzeichnet (Abb. 3a).
Gleichzeitig nahm die Beschäftigung von Personen aus osteuropäischen Drittstaaten, insbesondere aus der Ukraine, weiterhin deutlich zu. Das Wachstum verlangsamte sich jedoch gegenüber dem Vorjahr etwas (+20,2 % im Jahr 2025 gegenüber +25,4 % im Jahr 2024). Am stärksten war das Beschäftigungswachstum 2025 im Saarland (+31,2 %) und in Thüringen (26,1 %). Auch die Zahl der Beschäftigten aus Asylherkunftsländern (+10,7 %) stieg deutschlandweit weiter an. Hier fiel das Beschäftigungswachstum in den letzten Jahren in Ostdeutschland stärker aus als in Westdeutschland, besonders sticht das Wachstum von +25,0 % 2025 in Mecklenburg-Vorpommern hervor. Für eine tiefergehende Analyse der Beschäftigungsentwicklung in ostdeutschen Bundesländern wie Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Thüringen und der Rolle ausländischer Staatsangehöriger siehe die kürzlich erschienenen Zuwanderungs- und Integrationsberichte (Dülken et al., 2026; Hampel et al., 2025; 2026).
In absoluten Zahlen ist bundesweit vor allem der Beschäftigungszuwachs von Personen aus anderen Ländern bemerkenswert (+117.065), auch wenn sich das Wachstum dieser Gruppe im Jahr 2025 im Vergleich zu den Vorjahren spürbar verlangsamt hat (Abb. 3b). Innerhalb dieser Staatsangehörigkeitsgruppe entfiel ein besonders großer Teil des Beschäftigungsanstiegs auf Personen aus den Westbalkanstaaten (rund +24.000), Indien (rund +23.000) und Vietnam (rund +13.000) (ohne Abbildung).
Insgesamt wurde der bundesweite Beschäftigungsrückgang bei deutschen und EU-13-Staatsangehörigen von zusammen mehr als 250.000 Personen rechnerisch nahezu vollständig durch Beschäftigungszuwächse bei Personen aus osteuropäischen Drittstaaten, Asylherkunftsländern und anderen Ländern ausgeglichen (Abb. 3b). Dieses aggregierte Bild deutet darauf hin, dass insbesondere der Beschäftigungszuwachs von Drittstaatsangehörigen das Arbeitskräfteangebot stabilisiert und die Rückgänge bei deutschen und EU-13-Staatsangehörigen abfedert. In welchem Umfang die Beschäftigten verschiedener Staatsangehörigkeitsgruppen tatsächlich in denselben Berufen, Branchen oder Anforderungsniveaus beschäftigt sind, wird in den folgenden Kapiteln näher untersucht. Die dortigen Ergebnisse zeigen, dass die beruflichen Einsatzfelder der Gruppen häufig nicht deckungsgleich sind.
Interaktives Diagramm: Veränderung der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung gegenüber dem Vorjahr, nach Staatsangehörigkeitsgruppe, Jahr und Bundesland, in Prozent (3a) und in absoluten Zahlen (3b)
Abbildung 3a-b: Entwicklung der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung nach Staatsangehörigkeit in Deutschland und den Bundesländern
Veränderung zum Vorjahresmonat in Prozent (Abb. 3a) bzw. in absoluten Zahlen (Abb. 3b), Stichtag September. Eigene Berechnungen und Darstellung nach Bundesagentur für Arbeit 2023, 2024, 2025, 2026a © Minor
Darüber hinaus veranschaulicht Abbildung 4 die Beschäftigungsentwicklung verschiedener Staatsangehörigkeitsgruppen in den Landkreisen und kreisfreien Städten Deutschlands. Die Darstellung ist nach Bundesländern und Regionen strukturiert.
Interaktives Diagramm: Veränderung der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung 2025 gegenüber dem Vorjahr, nach Staatsangehörigkeitsgruppe und Landkreis bzw. kreisfreier Stadt, in Prozent (4a), in absoluten Zahlen (4b) und als Karte (4c)
Abbildung 4a-c: Entwicklung der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung nach Staatsangehörigkeit 2025 in den Landkreisen und kreisfreien Städten
Veränderung zum Vorjahresmonat in Prozent (Abb. 4a) bzw. in absoluten Zahlen (Abb. 4b) bzw. beides in Kartenansicht (Abb. 4c), Stichtag September. Eigene Berechnungen und Darstellung nach Bundesagentur für Arbeit 2025, 2026a © Minor
3.2 Entwicklung der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung nach Alter, Geschlecht und Betriebsgröße
Die in den vorangegangenen Abschnitten beobachtete rückläufige Beschäftigungsentwicklung bei deutschen Staatsangehörigen ist zumindest teilweise vor dem Hintergrund des demografischen Wandels zu interpretieren. Darauf deutet die Altersstruktur der Beschäftigten in Abbildung 5a hin. Während mehr als ein Viertel der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten mit deutscher Staatsangehörigkeit bereits 55 Jahre oder älter ist, liegen die entsprechenden Anteile bei Beschäftigten aus osteuropäischen Drittstaaten bei rund 11 % und bei Personen aus Asylherkunftsländern bei lediglich etwa 4 %. Der Anteil ausländischer Staatsangehöriger ist in den jüngeren Altersgruppen besonders hoch. Von den sozialversicherungspflichtig Beschäftigten im Alter von 25 bis 55 Jahren besitzen 10,2 % eine Staatsangehörigkeit aus „anderen Ländern“ (siehe Abb. 5b). In absoluten Zahlen stellen Personen aus der Türkei, den Westbalkanstaaten als zusammengefasster Ländergruppe (Albanien, Bosnien und Herzegowina, Kosovo, Montenegro, Nordmazedonien und Serbien) sowie aus Italien die größten Gruppen dar (ohne Abbildung). Auch unter den unter 25-Jährigen ist der Anteil der „anderen Länder“ mit 7,8 % vergleichsweise hoch. Hier prägen insbesondere Personen aus den Westbalkanstaaten, der Türkei und Indien das Beschäftigungsgeschehen (ohne Abbildung). Die verschiedenen Staatsangehörigkeitsgruppen unterscheiden sich somit deutlich hinsichtlich ihrer Altersstruktur. Deutsche Beschäftigte sind im Durchschnitt älter und erreichen daher früher das Renteneintrittsalter, während viele Zugewanderte erst in den vergangenen Jahren in den deutschen Arbeitsmarkt eingetreten sind und sich überproportional in den mittleren Erwerbsjahren befinden. Die rückläufige Zahl deutscher Beschäftigter kann daher nicht allein als Ausdruck einer sinkenden Arbeitskräftenachfrage interpretiert werden, sondern steht vielmehr im Zusammenhang mit dem demografisch bedingten Ausscheiden geburtenstarker Jahrgänge aus dem Erwerbsleben.
Interaktives Diagramm: Altersstruktur der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten nach Staatsangehörigkeitsgruppe (5a) und Anteil der Staatsangehörigkeitsgruppen innerhalb der Altersgruppen (5b), 2025, nach Bundesland
Abbildung 5a-b: Altersstruktur der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten nach Staatsangehörigkeitsgruppen (Abb. 5a) bzw. Verteilung der Staatsangehörigkeitsgruppen innerhalb der Altersklassen (Abb. 5b) 2025 in Deutschland und den Bundesländern
Angaben in Prozent, absolute Zahlen in Klammern. Stichtag September 2025. Eigene Berechnungen und Darstellung nach Bundesagentur für Arbeit 2026a © Minor
Abbildung 6a zeigt, dass die Beschäftigungsentwicklung nach Staatsangehörigkeit zwischen Frauen und Männern Unterschiede aufweist. Besonders deutlich wird dies bei Beschäftigten aus Asylherkunftsländern und osteuropäischen Drittstaaten. In beiden Gruppen verzeichnen Frauen im Jahr 2025 höhere Beschäftigungszuwächse als Männer. Bei Beschäftigten aus Asylherkunftsländern lag das Wachstum bei Frauen bei 14,6 Prozent, gegenüber 9,8 % bei Männern. Auch bei Beschäftigten aus osteuropäischen Drittstaaten fiel der Zuwachs bei Frauen (+20,3 %) geringfügig höher aus als bei Männern (+20,1 %). Ein ähnliches Muster zeigte sich bereits im Vorjahr. Insbesondere Frauen aus Asylherkunftsländern konnten ihre Beschäftigung im Jahr 2024 deutlich stärker ausweiten als Männer (+16,0 % gegenüber +9,7 %). Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Arbeitsmarktintegration von Frauen in diesen Zuwanderungsgruppen weiterhin voranschreitet und in einigen Bereichen sogar dynamischer verläuft als die von Männern.
Bei deutschen Staatsangehörigen und Beschäftigten aus den EU-13-Staaten zeigt sich hingegen ein anderes Bild. Hier fällt der Beschäftigungsrückgang bei Männern stärker aus als bei Frauen – 2024 war die Entwicklung bei EU-13-Frauen sogar noch positiv. Dies deutet darauf hin, dass die rückläufige Beschäftigung in diesen Gruppen insbesondere von männlich dominierten Berufs- und Branchenstrukturen geprägt ist.
Insgesamt weisen die Befunde darauf hin, dass die gegenwärtige Beschäftigungsdynamik nicht nur durch Unterschiede zwischen Staatsangehörigkeitsgruppen, sondern auch durch geschlechtsspezifische Entwicklungen geprägt ist. Insbesondere die Beschäftigungszuwächse unter zugewanderten Frauen tragen zunehmend zum Aufbau des Arbeitskräftepotenzials bei.
Interaktives Diagramm: Veränderung der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung gegenüber dem Vorjahr nach Geschlecht und Staatsangehörigkeitsgruppe, 2024 und 2025, nach Bundesland, in Prozent (6a) und in absoluten Zahlen (6b)
Abbildung 6a-b: Entwicklung der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung nach Geschlecht und Staatsangehörigkeit in Deutschland und den Bundesländern
Veränderung zum Vorjahresmonat in Prozent (Abb. 6a) bzw. in absoluten Zahlen (Abb. 6b), Stichtag September. Eigene Berechnungen und Darstellung nach Bundesagentur für Arbeit 2024, 2025, 2026a © Minor
Abbildung 7a zeigt zunächst, dass die höchsten prozentualen Beschäftigungszuwächse ausländischer Staatsangehörigkeitsgruppen vor allem in kleinen und mittleren Betrieben zu beobachten sind. Besonders stark fiel das Wachstum bei Beschäftigten aus osteuropäischen Drittstaaten aus. Im Jahr 2025 stieg ihre Beschäftigung in kleinen Betrieben um 22,2 % und in mittleren Betrieben um 22,6 %, während das Wachstum in Großbetrieben mit 13,8 % deutlich geringer ausfiel. Bei Personen aus Asylherkunftsländern lag das Beschäftigungswachstum 2025 bei allen Betriebsgrößen zwischen 10 und 11 %.
Die Betrachtung der absoluten Beschäftigungsentwicklung in Abbildung 7b relativiert dieses Bild jedoch teilweise. Obwohl die Wachstumsraten in kleinen Betrieben am höchsten ausfallen, entstehen die größten Beschäftigungszuwächse zahlenmäßig in mittleren Betrieben mit 10 bis 249 Beschäftigten. Im Jahr 2025 kamen dort allein rund 49.000 Beschäftigte aus osteuropäischen Drittstaaten, rund 37.000 Personen aus Asylherkunftsländern sowie knapp 70.000 Beschäftigte aus anderen Ländern hinzu. Gleichzeitig verzeichneten mittlere Betriebe mit über 118.000 Personen den stärksten Rückgang deutscher Beschäftigter. Während in Westdeutschland die Beschäftigungsgewinne bei ausländischen Staatsangehörigen die Beschäftigungsverluste bei deutschen Staatsangehörigen in mittleren Betrieben rechnerisch übersteigen, ist dies in Ostdeutschland nicht der Fall. Dort fallen die Beschäftigungsverluste unter deutschen Staatsangehörigen größer aus als die Beschäftigungszuwächse bei ausländischen Staatsangehörigen. Auffällig ist zudem, dass sich die Beschäftigungsentwicklung in Großbetrieben zwischen 2024 und 2025 deutlich verändert hat. Während Großbetriebe im Jahr 2024 noch einen Zuwachs von mehr als 68.000 deutschen Beschäftigten verzeichneten, kehrte sich dieser Trend 2025 in einen Rückgang von rund 31.000 Beschäftigten um. Die Beschäftigungszuwächse ausländischer Staatsangehöriger konnten diesen Verlust zahlenmäßig kompensieren.
Insgesamt weisen beide Abbildungen darauf hin, dass kleine und mittlere Betriebe eine zentrale Rolle für die Integration zugewanderter Beschäftigter in den Arbeitsmarkt spielen. Insbesondere mittlere Betriebe zeigen sowohl hohe prozentuale Wachstumsraten als auch die größten absoluten Beschäftigungszuwächse und tragen damit maßgeblich dazu bei, die Beschäftigungsverluste bei deutschen und teilweise auch bei EU-13-Beschäftigten auszugleichen.
Interaktives Diagramm: Veränderung der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung gegenüber dem Vorjahr nach Betriebsgröße und Staatsangehörigkeitsgruppe, 2024 und 2025, nach Bundesland, in Prozent (7a) und in absoluten Zahlen (7b)
Abbildung 7a-b: Entwicklung der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung nach Betriebsgröße und Staatsangehörigkeit in Deutschland und den Bundesländern
Veränderung zum Vorjahresmonat in Prozent (Abb. 7a) bzw. in absoluten Zahlen (Abb. 7b), Stichtag September. Betriebsgröße wird an der Anzahl der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten (SVB) gemessen. Eigene Berechnungen und Darstellung nach Bundesagentur für Arbeit 2024, 2025, 2026a © Minor
3.3 Entwicklung der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung nach Anforderungsniveau und Wirtschaftszweigen
Abbildung 8 zeigt deutliche Unterschiede im Anforderungsniveau der Beschäftigung nach Staatsangehörigkeitsgruppen. Bei der folgenden Analyse nach Anforderungsniveau ist zu beachten, dass die Aktualisierung der Klassifikation der Berufe (KldB) einen Teil der Verschiebungen zwischen den Anforderungsniveaus beeinflusst haben dürfte (siehe Infobox 1). Insgesamt arbeiten in Deutschland mit 54,0 % die meisten Beschäftigten auf Fachkraftniveau. Etwa jede*r siebte ist als Helfer*in, Spezialist*in oder Expert*in tätig.
Deutsche Beschäftigte weisen die höchste Konzentration in qualifizierten Tätigkeiten auf. Mehr als die Hälfte arbeitet als Fachkraft (55,5 %), während 16,6 % Spezialisten- und 15,6 % Expertenpositionen innehaben. Der Helferanteil fällt mit 12,2 % vergleichsweise gering aus. Demgegenüber sind ausländische Beschäftigte deutlich häufiger in Helfertätigkeiten vertreten. Dies gilt sowohl für EU-Staatsangehörige als auch für Beschäftigte aus Drittstaaten.
Insgesamt verdeutlicht die Abbildung eine starke Segmentierung des Arbeitsmarktes nach Staatsangehörigkeit. Während deutsche Beschäftigte häufiger in hoch qualifizierten Tätigkeiten vertreten sind, konzentrieren sich Beschäftigte aus dem Ausland, insbesondere aus Drittstaaten, überdurchschnittlich auf Helfer- und Fachkrafttätigkeiten. Die Unterschiede fallen dabei besonders deutlich für Beschäftigte aus Asylherkunftsländern und der Ukraine aus. Zugleich ist zu berücksichtigen, dass eine Beschäftigung auf einem niedrigeren Anforderungsniveau nicht zwangsläufig auf ein entsprechend niedriges Qualifikationsniveau schließen lässt. Häufig spielen auch nicht anerkannte ausländische Abschlüsse oder eine nicht qualifikationsadäquate Beschäftigung eine Rolle.
Interaktives Diagramm: Anteile der Anforderungsniveaus Helfer, Fachkraft, Spezialist und Experte an den sozialversicherungspflichtig Beschäftigten nach Staatsangehörigkeitsgruppe, 2025, nach Bundesland
Abbildung 8: Anforderungsniveaus der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten nach Staatsangehörigkeitsgruppen 2025 in Deutschland und den Bundesländern
Angaben in Prozent, absolute Zahlen in Klammern. Stichtag September 2025. Eigene Berechnungen und Darstellung nach Bundesagentur für Arbeit 2026a © Minor
Mit Blick auf die Beschäftigungsentwicklung nach Anforderungsniveau (Abb. 9a und b) in den Jahren 2024 und 2025 jeweils im Vergleich zum Vorjahresmonat lässt sich für Deutschland zunächst festhalten, dass – Berufssegment übergreifend – deutsche Staatsangehörige insbesondere aus Helfer- und Fachkrafttätigkeiten ausscheiden. Im Jahr 2025 ging die Beschäftigung deutscher Staatsangehöriger auf Helferniveau um rund 54.000 und auf Fachkraftniveau um rund 306.000 Personen zurück. Seit 2025 ist zudem auch bei EU-13-Staatsangehörigen auf beiden Anforderungsniveaus ein Beschäftigungsrückgang zu verzeichnen (Abb. 9b).
Gleichzeitig wird das Beschäftigungswachstum auf Helfer- und Fachkraftniveau stark von ausländischen Arbeitskräften getragen. Besonders stark fallen die prozentualen Zuwächse bei Beschäftigten aus osteuropäischen Drittstaaten sowie aus den Asylherkunftsländern aus (Abb. 9a). Dabei zeigen sich regionale Unterschiede: Während der Beschäftigungsaufbau von Personen aus Asylherkunftsländern auf Helfer- und Fachkraftniveau in Ostdeutschland stärker ausfällt als in Westdeutschland, ist umgekehrt das Wachstum von osteuropäischen Drittstaatsangehörigen in Westdeutschland stärker als in Ostdeutschland.
Die Bedeutung ausländischer Arbeitskräfte beschränkt sich jedoch nicht auf die unteren Anforderungsniveaus. Auch auf Spezialisten- und Expertenniveau sind deutliche Beschäftigungszuwächse zu beobachten. Dies deutet darauf hin, dass diese Beschäftigtengruppen bereits heute einen relevanten Beitrag zur Deckung des Arbeitskräftebedarfs über Helfer- und Fachkrafttätigkeiten hinaus leisten.
Der Zuwanderung kommt demnach eine zentrale Bedeutung für die Sicherung des Arbeitskräfte- und Fachkräfteangebots in Deutschland zu. Um die Transformation des Arbeitsmarktes gut zu gestalten und um zu vermeiden, dass Personen unterhalb ihrer Qualifikationen beschäftigt werden, gilt es verstärkt in Qualifizierung, Weiterbildung und die Anerkennung ausländischer Abschlüsse zu investieren. So können bereits vorhandene Fachkräftepotenziale besser genutzt werden.
Die Abbildungen 9a und 9b ermöglichen darüber hinaus eine differenzierte Analyse der Entwicklung nach Anforderungsniveau in den einzelnen Berufssegmenten. Die entsprechenden Ergebnisse werden im vorliegenden Text nicht gesondert diskutiert, können jedoch direkt über die Abbildungen erschlossen werden.
Interaktives Diagramm: Veränderung der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung gegenüber dem Vorjahr nach Anforderungsniveau, Berufssegment und Staatsangehörigkeitsgruppe, 2024 und 2025, nach Bundesland, in Prozent (9a) und in absoluten Zahlen (9b)
Abbildung 9a-b: Entwicklung der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung nach Anforderungsniveau und Berufssegment und Staatsangehörigkeit in Deutschland und den Bundesländern
Veränderung zum Vorjahresmonat in Prozent (Abb. 9a) bzw. in absoluten Zahlen (Abb. 9b), Stichtag September. Eigene Berechnungen und Darstellung nach Bundesagentur für Arbeit 2024, 2025, 2026a © Minor
Hinsichtlich der Verteilung auf die Wirtschaftszweige (Abb. 10a) wird deutlich, dass ausländische Beschäftigte in einigen Wirtschaftszweigen überproportional vertreten sind. Dies gilt insbesondere für die Arbeitnehmerüberlassung (über 50 %), das Gastgewerbe (rund 45 %) sowie die sonstigen wirtschaftlichen Dienstleistungen (mehr als 30 %). Deutlich unterrepräsentiert sind ausländische Beschäftigte hingegen in der öffentlichen Verwaltung mit einem Anteil von weniger als 5 % sowie im Bereich der Finanz- und Versicherungsdienstleistungen mit weniger als 7 %. In den ostdeutschen Bundesländern fällt ihre Präsenz in der öffentlichen Verwaltung nochmals deutlich geringer aus und liegt dort lediglich bei 1,8 %.
Interaktives Diagramm: Anteile der Staatsangehörigkeitsgruppen an den sozialversicherungspflichtig Beschäftigten je Wirtschaftszweig, 2025, nach Bundesland
Abbildung 10a: Staatsangehörigkeit der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten nach Wirtschaftszweigen 2025 in Deutschland und den Bundesländern
Angaben in Prozent. Stichtag September 2025. Eigene Berechnungen und Darstellung nach Bundesagentur für Arbeit 2026a © Minor
Mit Blick auf die Beschäftigungsentwicklung in den Wirtschaftszweigen (Abb. 10b und c) wird deutlich, dass sich der Rückgang deutscher Beschäftigter und der Zuwachs ausländischer Beschäftigter im September 2025 zum Vorjahresmonat unterschiedlich auf die einzelnen Branchen verteilen. Einen zahlenmäßig besonders starken Rückgang verzeichnet das Verarbeitende Gewerbe, das derzeit unter erheblichem Transformationsdruck steht. Hier ging die Beschäftigung deutscher Staatsangehöriger um rund 176.000 Personen zurück, während die Beschäftigung von Personen aus osteuropäischen Drittstaaten und Asylherkunftsländern lediglich um rund 8.700 bzw. 4.000 Personen zunahm. Die Beschäftigungsverluste konnten in diesem Wirtschaftszweig somit nur in geringem Umfang kompensiert werden (Abb. 10c).
Anders stellt sich die Situation im Handel sowie in Verkehr und Lagerei dar. Im Handel wird der Rückgang deutscher Beschäftigter durch Beschäftigungszuwächse ausländischer Staatsangehöriger weitgehend ausgeglichen, während er im Bereich Verkehr und Lagerei sogar vollständig kompensiert wird. Aus der Beschäftigungsstatistik lässt sich allerdings nicht ablesen, ob die neu besetzten Stellen denjenigen entsprechen, die zuvor von deutschen Beschäftigten ausgeübt wurden.
Ein Beschäftigungswachstum über alle Staatsangehörigkeitsgruppen hinweg, einschließlich deutscher Beschäftigter, zeigt sich insbesondere im Gesundheitswesen sowie im Heime- und Sozialwesen. Dies verweist auf den anhaltend hohen Personalbedarf in diesen Bereichen. Im Heime- und Sozialwesen fallen zugleich die höchsten relativen Beschäftigungszuwächse ausländischer Beschäftigter auf. Die Beschäftigung von Personen aus osteuropäischen Drittstaaten stieg hier um 31,8 %, die von Personen aus Asylherkunftsländern um 17,5 %. Ebenfalls hohe Wachstumsraten verzeichnen Verkehr und Lagerei mit Zuwächsen von 29,2 % beziehungsweise 16,2 % (Abb. 10b).
Insgesamt zeigt sich damit, dass sich die Beschäftigungszuwächse ausländischer Beschäftigter nicht allein auf Wirtschaftszweige mit bereits hohem Anteil nicht-deutscher Staatsangehöriger konzentrieren. Vielmehr gewinnen ausländische Arbeitskräfte zunehmend auch in Wirtschaftszweigen an Bedeutung, die vergleichsweise geringe Anteile ausländischer Beschäftigter aufwiesen.
Interaktives Diagramm: Veränderung der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung gegenüber dem Vorjahr nach Wirtschaftszweig und Staatsangehörigkeitsgruppe, nach Bundesland, in Prozent (10b) und in absoluten Zahlen (10c)
Abbildung 10b-c: Entwicklung der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten nach Wirtschaftszweigen und Staatsangehörigkeit in Deutschland und den Bundesländern
Veränderung zum Vorjahresmonat in Prozent (Abb. 10b) bzw. in absoluten Zahlen (Abb. 10c). Stichtag September 2025. Eigene Berechnungen und Darstellung nach Bundesagentur für Arbeit 2025, 2026a © Minor
3.4 Beschäftigungsquote und Arbeitslosenquote
Während die bisherigen Auswertungen die Entwicklung der Beschäftigung in absoluten Zahlen dargestellt haben, eröffnet die Beschäftigungsquote in Abbildung 11a einen ergänzenden Blick auf die Arbeitsmarktintegration. Sie gibt an, welcher Anteil der Bevölkerung oder bestimmter Bevölkerungsgruppen (wie z. B. Staatsangehörigkeitsgruppen) im erwerbsfähigen Alter von 15 bis unter 65 Jahren einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung nachgeht.
Während die Beschäftigungsquote deutscher Staatsangehöriger mit rund 65 % über die vergangenen fünf Jahre hinweg nahezu unverändert blieb, zeigen die Beschäftigungsquoten von Personen mit ausländischer Staatsangehörigkeit eine insgesamt positive Entwicklung: Die stärksten Zuwächse verzeichnen ukrainische Staatsangehörige sowie Staatsangehörige aus Asylherkunftsländern. Nach dem starken Einbruch der Beschäftigungsquote ukrainischer Staatsangehöriger infolge der Fluchtmigration im Jahr 2022 (rund 14 %) stieg diese bundesweit kontinuierlich auf zuletzt 32,9 % im März 2026. Eine besonders positive Entwicklung zeigt sich auch bei Personen aus Asylherkunftsländern: Ihre Beschäftigungsquote erhöhte sich innerhalb von fünf Jahren von rund 31 % auf 44,1 %. Die höchsten Beschäftigungsquoten im März 2026 werden dabei, wie bei den ukrainischen Staatsangehörigen, in Bayern erreicht.
Die Beschäftigungsquote von Staatsangehörigen der EU-11 lag bereits zu Beginn des Beobachtungszeitraums vergleichsweise hoch und stieg weiter auf 61,6 %. Sie liegt damit mittlerweile sogar über dem Durchschnitt aller EU-Staatsangehörigen (58,5 %) und ist am höchsten in Hamburg, Sachsen-Anhalt und Thüringen mit jeweils über 70 %. In Berlin (42,7 %) und dem Saarland (49,3 %) sind hingegen weniger als die Hälfte der erwerbsfähigen Personen mit EU-11-Staatsangehörigkeit sozialversicherungspflichtig beschäftigt.
Abbildung 11b ermöglicht einen Vergleich der Beschäftigungsquoten von Frauen und Männern innerhalb der einzelnen Staatsangehörigkeitsgruppen. Unabhängig von der Herkunft zeigt sich, dass Frauen seltener sozialversicherungspflichtig beschäftigt sind als Männer. Dieses Muster beschränkt sich nicht auf Zugewanderte, wenngleich das Ausmaß der geschlechtsspezifischen Unterschiede zwischen den Gruppen variiert. Besonders deutlich fällt die Differenz bei Personen aus Asylherkunftsländern aus: Zwar stieg die Beschäftigungsquote von Frauen innerhalb der vergangenen fünf Jahre von 12,5 % auf 23,9 %. Gleichzeitig erhöhte sich die Beschäftigungsquote der Männer jedoch noch stärker, und zwar von 42,2 % auf 56,7 %.
Die Daten deuten darauf hin, dass sich die Arbeitsmarktintegration von Frauen aus Asylherkunftsländern zwar dynamisch entwickelt, sich geschlechtsspezifische Unterschiede jedoch nicht verringern und der Employment Gender Gap weiterhin größer ausfällt als in den übrigen betrachteten Staatsangehörigkeitsgruppen. Die anhaltend großen Unterschiede zwischen Frauen und Männern (insb. aus Asylherkunftsländern) machen deutlich, dass die Förderung der Erwerbsbeteiligung von Frauen weiterhin eine zentrale arbeitsmarkt- und integrationspolitische Herausforderung darstellt.
Interaktives Diagramm: Entwicklung der Beschäftigungsquote seit 2021 nach Staatsangehörigkeitsgruppe (11a) sowie nach Geschlecht und Staatsangehörigkeitsgruppe (11b), nach Bundesland
Abbildung 11a-b: Beschäftigtenquote (svB) nach Staatsangehörigkeit und Geschlecht in Deutschland und den Bundesländern
Eigene Berechnungen und Darstellung nach Bundesagentur für Arbeit 2026b © Minor
Ungeachtet der wirtschaftlichen Herausforderungen der vergangenen zehn Jahre, darunter die Corona-Pandemie, die Energiekrise und die aktuelle Konjunkturschwäche, zeigt sich bei den meisten Staatsangehörigkeitsgruppen über den betrachteten Zeitraum hinweg ein rückläufiger Trend der Arbeitslosenquote, der zuletzt in eine weitgehend stabile Entwicklung übergegangen ist (siehe Abbildung 12a). Bei EU-Staatsangehörigen blieb sie mit zuletzt 9,6 % auf einem vergleichsweise niedrigen Niveau. Bei Drittstaatsangehörigen lag die Arbeitslosenquote zwar stets höher, bewegte sich im Zeitverlauf jedoch weitgehend stabil zwischen etwa 18 bis 20 %. Es wird diskutiert, ob sich die eingetrübte wirtschaftliche Lage bislang nur begrenzt in einer steigenden Arbeitslosigkeit niederschlägt und die Aufnahmefähigkeit des Arbeitsmarktes insgesamt weiterhin hoch bleibt (IAB 2025a).
Deutlich dynamischer verlief die Entwicklung bei Personen aus Asylherkunftsländern und ukrainischen Staatsangehörigen. Die Arbeitslosenquote von Personen aus Asylherkunftsländern sank über den gesamten Betrachtungszeitraum von über 50 % auf zuletzt 26,5 % und verringerte sich damit nahezu um die Hälfte. Bei ukrainischen Staatsangehörigen zeigt sich dagegen eine große Dynamik infolge der Fluchtmigration seit 2022: Nach einem sprunghaften Anstieg der Arbeitslosenquote auf über 60 % unmittelbar nach der Ankunft vieler Geflüchteter sank diese kontinuierlich auf zuletzt 36,2 %, was auf fortschreitende Integrationsprozesse und eine zunehmende Arbeitsmarktpartizipation schließen lässt. Die Arbeitslosenquote deutscher Staatsangehöriger sank von 6,6 % im März 2016 leicht auf 6,0 % im März 2026, liegt aber über der Quote von rund 5 % in den Jahren 2022-2024. Nach Erkenntnissen des IAB (2025a) ist dieser Anstieg nicht allein auf die konjunkturelle Schwäche der deutschen Wirtschaft zurückzuführen. Vielmehr spielen auch strukturelle Herausforderungen eine Rolle, darunter der Transformationsdruck in der Industrie. Da der Anteil deutscher Staatsangehöriger in industriellen Wirtschaftszweigen, wie dem verarbeitenden Gewerbe, nach wie vor besonders hoch ist, wirken sich die dortigen Beschäftigungsrückgänge stärker auf die Arbeitsmarktentwicklung deutscher Staatsangehöriger als ausländischer Staatsangehöriger aus (vgl. Verarbeitendes Gewerbe in Abb. 10a und 10b).
Betrachtet man die Arbeitslosenquoten nach Geschlecht (Abb. 12b), zeigen sich deutliche Unterschiede zwischen den Staatsangehörigkeitsgruppen. Unter deutschen Staatsangehörigen liegt die Arbeitslosenquote der Männer über den gesamten Beobachtungszeitraum hinweg durchgängig über derjenigen der Frauen. Zuletzt betrug sie 6,8 % gegenüber 5,1 %. In den Zuwanderungsgruppen zeigt sich hingegen ein umgekehrtes Muster: Hier weisen Frauen durchweg höhere Arbeitslosenquoten auf als Männer derselben Herkunftsgruppe. Besonders ausgeprägt ist dieser geschlechtsspezifische Unterschied auch hier bei Personen aus Asylherkunftsländern. Dort liegt die Arbeitslosenquote von Frauen deutlich über derjenigen der Männer, was auf anhaltende geschlechtsspezifische Herausforderungen beim Zugang zum Arbeitsmarkt hindeutet. Zu den häufig diskutierten Ursachen zählen insbesondere familiäre Sorge- und Betreuungsverpflichtungen, fehlende Kinderbetreuungsangebote, geringere Möglichkeiten zum Erwerb von Sprachkenntnissen sowie traditionelle Rollenvorstellungen, die in manchen Herkunftskontexten die Erwerbsbeteiligung von Frauen beeinflussen können. Darüber hinaus zeigen Studien, dass Frauen mit Migrations- oder Fluchterfahrung beim Zugang zu Beschäftigung häufig mehreren Benachteiligungen gleichzeitig ausgesetzt sind, etwa aufgrund von Geschlecht, Herkunft oder unterbrochenen Erwerbsbiografien (IAB 2025b). Ansätze für eine erfolgreiche Arbeitsmarktintegration dieser Zielgruppe wurden unter anderem im Projekt „Sefa – Nachhaltige Arbeitsmarktintegration von Frauen mit Fluchterfahrung“ herausgearbeitet (Arnu et al. 2026). Dabei wird deutlich, dass neben Qualifizierung auch individuelle Lebensrealitäten, vorhandene Ressourcen und strukturelle Barrieren berücksichtigt sowie diskriminierungssensible Einstellungs- und Integrationsprozesse in enger Zusammenarbeit mit Unternehmen, Arbeitsverwaltungen und weiteren Akteuren gefördert werden müssen (ebd.).
Interaktives Diagramm: Entwicklung der Arbeitslosenquote nach Staatsangehörigkeitsgruppe (12a) sowie nach Geschlecht und Staatsangehörigkeitsgruppe (12b), nach Bundesland
Abbildung 12a-b: Arbeitslosenquote nach Staatsangehörigkeit und Geschlecht in Deutschland und den Bundesländern
Eigene Berechnungen und Darstellung nach Bundesagentur für Arbeit 2026b © Minor
3.5 Entgeltstatistiken
In Abbildung 13 steht im Mittelpunkt wie viel nicht-Deutsche, die bereits in Beschäftigung sind, im Vergleich zu deutschen Staatsangehörigen verdienen. Als Indikator wird hierzu das Bruttomedianentgelt sozialversicherungspflichtig beschäftigter Vollzeitkräfte nach Staatsangehörigkeit zum Stichtag 31.12.2025 betrachtet. Verglichen werden die Bruttomedianentgelte verschiedener Staatsangehörigkeitsgruppen, ohne Unterschiede hinsichtlich des Berufes, Branche, Qualifikation, Berufserfahrung oder Region zu berücksichtigen.
Die Ergebnisse zeigen bundesweit deutliche Einkommensunterschiede zwischen den betrachteten Gruppen. Deutsche Beschäftigte erzielen mit einem Medianentgelt von 4.396 Euro die höchsten Verdienste. Die Medianentgelte aller ausländischen Staatsangehörigkeitsgruppen liegen hingegen deutlich darunter. Besonders niedrig fallen die Einkommen von Beschäftigten mit ukrainischer Staatsangehörigkeit aus: Ihr Medianentgelt beträgt 2.825 Euro und liegt damit 35,7 % unter dem Wert deutscher Beschäftigter. Auch Beschäftigte aus Asylherkunftsländern (-33,8 %) sowie aus den Staaten der EU-Erweiterungen seit 2004 (-30,4 %) weisen deutlich geringere Entgelte auf. Im Vergleich dazu erzielen Beschäftigte aus Drittstaaten mit einem Medianentgelt von 3.427 Euro die höchsten Verdienste unter den zugewanderten Gruppen, liegen aber weiterhin 22,0 % unter dem deutschen Referenzwert. Die dargestellten Entgeltunterschiede sind unbereinigt. Die Abbildung macht bestehende Einkommensunterschiede sichtbar, erklärt jedoch nicht deren Ursachen.
Interaktives Diagramm: Monatliches Bruttomedianentgelt sozialversicherungspflichtig Vollzeitbeschäftigter in Euro nach Staatsangehörigkeitsgruppe und Abstand zu deutschen Beschäftigten in Prozent, Dezember 2025, nach Bundesland
Abbildung 13: Monatliches Medianentgelt (Brutto) von sozialversicherungspflichtig Vollzeitbeschäftigten nach Staatsangehörigkeitsgruppen in Deutschland und den Bundesländern
Stichtag Dezember 2025. Eigene Berechnungen und Darstellung nach Bundesagentur für Arbeit 2026c © Minor
Welche Faktoren hinter diesen Unterschieden stehen, untersucht Minor seit mehreren Jahren in bundesweiten und regionalen Studien. Die Ergebnisse zeigen, dass Zugewanderte häufiger in schlechter entlohnten Branchen und Berufen arbeiten und vorhandene Qualifikationen nicht immer in qualifikationsadäquate Beschäftigung münden. Zugleich weisen die Studien darauf hin, dass die Einkommensunterschiede nicht vollständig durch Merkmale wie Alter, Bildungsniveau, Region, Branche oder Anforderungsniveau erklärt werden können. Insbesondere bei Frauen mit Migrationsgeschichte bleibt selbst nach statistischer Bereinigung ein erheblicher Lohnnachteil bestehen. Sie sind somit von einer doppelten Benachteiligung aufgrund von Geschlecht und Migration betroffen (Migrant-Gender-Pay-Gap). Als mögliche Ursachen werden unter anderem ungleiche Aufstiegschancen, Diskriminierung im Erwerbsverlauf sowie die stärkere Betroffenheit von Teilzeit und familienbedingten Erwerbsunterbrechungen diskutiert. Ansatzpunkte zur Verringerung dieser Unterschiede liegen insbesondere in einer besseren Anerkennung ausländischer Qualifikationen, einer stärkeren Förderung qualifikationsadäquater Beschäftigung, mehr Entgelttransparenz in Unternehmen sowie dem Abbau struktureller Benachteiligungen und Diskriminierung.
Die Studien der Fachstelle Einwanderung und Integration zu dem Thema im Überblick:
- Bundesweite Studie, Befragungsdaten, inkl. Teilzeitbeschäftigte (2025): https://minor-kontor.de/die-entlohnung-in-ungleichen-welten/
- Bundesweite Studie, Beschäftigtenstatistiken, Fokus Engpassberufe (2024): https://minor-kontor.de/bezahlung-engpassberufe/
- Bundesweite Studie, Beschäftigtenstatistiken (2022): https://minor-kontor.de/migrant-gender-pay-gap/
4. Fazit
Vor dem Hintergrund des altersbedingten Ausscheidens vieler deutscher Beschäftigter und der negativen Nettozuwanderung aus der EU, insbesondere aus den EU-11-Staaten, die in den vergangenen Jahrzehnten eine zentrale Rolle für die Deckung des Arbeitskräftebedarfs gespielt haben, gewinnen Drittstaatsangehörige zunehmend an Bedeutung für die Entwicklung des deutschen Arbeitsmarktes. Das Beschäftigungswachstum wird heute in vielen Bereichen maßgeblich von Personen aus osteuropäischen Drittstaaten (darunter insbesondere aus der Ukraine), aus Asylherkunftsländern sowie aus weiteren Drittstaaten getragen. Dies zeigt sich besonders in kleinen und mittleren Betrieben sowie in Wirtschaftszweigen mit hohem Personalbedarf wie dem Gesundheits- und Sozialwesen, Verkehr und Lagerei oder dem Gastgewerbe. Die Bedeutung ausländischer Beschäftigter beschränkt sich dabei nicht auf einzelne Branchen oder Tätigkeitsbereiche.
Zwar konzentriert sich das Beschäftigungswachstum weiterhin stark auf Helfer- und Fachkrafttätigkeiten, gleichzeitig sind jedoch auch bei Spezialisten- und Expertenberufen deutliche Zuwächse zu beobachten. Auch auf Ebene der Wirtschaftszweige zeigt sich ein breites Bild: Beschäftigungsgewinne finden sich nicht nur in Bereichen mit bereits hohen Anteilen ausländischer Beschäftigter, sondern zunehmend auch in Wirtschaftszweigen wie Erziehung und Unterricht, der öffentlichen Verwaltung oder sonstigen personenbezogenen Dienstleistungen. Die Analyse macht jedoch auch deutlich, dass die Beschäftigungszuwächse ausländischer Arbeitskräfte die Rückgänge bei deutschen Beschäftigten nicht in allen Bereichen ausgleichen können. Besonders im Verarbeitenden Gewerbe übersteigen die Beschäftigungsverluste die Zugewinne deutlich, was auf die derzeitigen strukturellen Herausforderungen dieses Wirtschaftszweigs verweist.
Zugleich zeigen sich zwischen den Bundesländern erhebliche Unterschiede. Während einige Länder hohe Beschäftigungszuwächse und eine vergleichsweise erfolgreiche Arbeitsmarktintegration aufweisen, sind in anderen Regionen die Beschäftigungsquoten niedriger, die Arbeitslosenquoten höher oder die erzielten Entgelte geringer. Die bereitgestellten interaktiven Grafiken ermöglichen es, diese Entwicklungen für die eigene Region oder das eigene Bundesland abzubilden. Sie bieten damit eine Datengrundlage für Akteur*innen innerhalb und außerhalb des Förderprogramms IQ, um regionale Herausforderungen und Potenziale der Arbeitsmarktintegration sichtbar zu machen und zielgerichtete Maßnahmen zu entwickeln.
5. Quellenverzeichnis
Bundesagentur für Arbeit, 2011: Klassifikation der Berufe 2010 - Band 1: Systematischer und alphabetischer Teil mit Erläuterungen. Hg. v. Bundesagentur für Arbeit. Nürnberg. https://statistik.arbeitsagentur.de/DE/Navigation/Grundlagen/Klassifikationen/Klassifikation-der-Berufe/KldB2010-Fassung2020/KldB2010-Fassung2020-Nav.html [29.10.2026]
Bundesagentur für Arbeit, 2021: Geänderte Zuordnungen von Berufen in der Klassifikation der Berufe - Auswirkungen auf die Arbeitsmarktstatistiken. Hg. v. Bundesagentur für Arbeit und Statistik/Arbeitsmarktberichterstattung (Grundlagen: Hintergrundinfo). https://statistik.arbeitsagentur.de/DE/Statischer-Content/Grundlagen/Methodik-Qualitaet/Methodenberichte/Uebergreifend/Generische-Publikationen/Hintergrundinfo-Geaenderte-Zuordnungen-von-Berufen-in-der-KldB-Auswirkungen-Arbeitsmarktstatistik.pdf?__blob=publicationFile&v=8 [29.10.2026]
Bundesagentur für Arbeit, 2023: Beschäftigte nach Staatsangehörigkeiten (Quartalszahlen) Deutschland, Länder und Kreise zum 30.09.2022, veröffentlicht am 15.01.2023. https://statistik.arbeitsagentur.de/SiteGlobals/Forms/Suche/Einzelheftsuche_Formular.html?nn=25122&topic_f=beschaeftigung-eu-heft-eu-heft [29.10.2026]
Bundesagentur für Arbeit, 2024: Beschäftigte nach Staatsangehörigkeiten (Quartalszahlen) Deutschland, Länder und Kreise zum 30.09.2023, veröffentlicht am 15.01.2024. https://statistik.arbeitsagentur.de/SiteGlobals/Forms/Suche/Einzelheftsuche_Formular.html?nn=25122&topic_f=beschaeftigung-eu-heft-eu-heft [29.10.2026]
Bundesagentur für Arbeit, 2025: Beschäftigte nach Staatsangehörigkeiten (Quartalszahlen) Deutschland, Länder und Kreise zum 30.09.2024, veröffentlicht am 15.01.2025. https://statistik.arbeitsagentur.de/SiteGlobals/Forms/Suche/Einzelheftsuche_Formular.html?nn=25122&topic_f=beschaeftigung-eu-heft-eu-heft [29.10.2026]
Bundesagentur für Arbeit, 2026a: Beschäftigte nach Staatsangehörigkeiten (Quartalszahlen) Deutschland, Länder und Kreise zum 30.09.2025, veröffentlicht am 15.01.2026. https://statistik.arbeitsagentur.de/SiteGlobals/Forms/Suche/Einzelheftsuche_Formular.html?nn=25122&topic_f=beschaeftigung-eu-heft-eu-heft [29.10.2026]
Bundesagentur für Arbeit, 2026b: Zeitreihe SV-Beschäftigungs- und Arbeitslosenquoten nach ausgewählten Staatsangehörigkeiten. Deutschland und Länder. Zeitreihe. Erstellungsdatum: 01.10.2026. Bundesagentur für Arbeit Statistik. Sonderauswertung.
Bundesagentur für Arbeit, 2026c: Beschäftigte nach Staatsangehörigkeiten (Quartalszahlen) Deutschland, Länder und Kreise zum 30.12.2025, veröffentlicht am 19.08.2026. https://statistik.arbeitsagentur.de/SiteGlobals/Forms/Suche/Einzelheftsuche_Formular.html?nn=25122&topic_f=beschaeftigung-eu-heft-eu-heft [29.10.2026]
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Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), 2025b: Arbeitsmarktintegration von geflüchteten Frauen – großes Potenzial und viele Herausforderungen. Serie „Befunde aus der IAB-Grundsicherungsforschung 2021 bis 2024“. 25. Juni 2025. https://iab-forum.de/arbeitsmarktintegration-von-gefluechteten-frauen-grosses-potenzial-und-viele-herausforderungen/ [29.10.2026]
Arnu, H. / Medanhodžić, L. / Pfeffer-Hoffmann, C. / Pätzold, M. / Ziegler, J., 2026: Wie kann die Arbeitsmarktintegration von Frauen mit Fluchterfahrung gelingen? Besonderheiten, Erfolgsfaktoren und Lösungsansätze. Springer Gabler. Wiesbaden. https://doi.org/10.1007/978-3-658-50539-4 [29.10.2026]
Statistisches Bundesamt, 2026: Ausländer: Bundesländer, Jahre, Geschlecht, Registerbewegungen (regional), Ländergruppierungen/ Staatsangehörigkeit. Ausländerstatistik. Genesis-Tabelle 12521-0027. https://genesis.destatis.de/datenbank/online/url/3c357344 [29.10.2026]
6. Abbildungsverzeichnis
- Abbildung 1a-b: Zu- und Fortzüge ausländischer Staatsangehöriger aus bzw. ins Ausland (1a) und die entsprechende Nettozuwanderung aus dem Ausland (1b) unterteilt nach Staatsangehörigkeitsgruppe und Jahr für Deutschland und die Bundesländer
- Abbildung 2: Nettozuwanderung aus dem Inland (Bundesländerebene) unterteilt nach Staatsangehörigkeitsgruppe und Jahr für Deutschland und die Bundesländer
- Abbildung 3a-b: Entwicklung der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung nach Staatsangehörigkeit in Deutschland und den Bundesländern
- Abbildung 4a-c: Entwicklung der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung nach Staatsangehörigkeit in den Landkreisen und kreisfreien Städten
- Abbildung 5a-b: Altersstruktur der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten nach Staatsangehörigkeitsgruppen (Abb. 5a) bzw. Verteilung der Staatsangehörigkeitsgruppen innerhalb der Altersklassen (Abb. 5b) 2025 in Deutschland und den Bundesländern
- Abbildung 6a-b: Entwicklung der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung nach Geschlecht und Staatsangehörigkeit in Deutschland und den Bundesländern
- Abbildung 7a-b: Entwicklung der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung nach Betriebsgröße und Staatsangehörigkeit in Deutschland und den Bundesländern
- Abbildung 8: Anforderungsniveaus der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten nach Staatsangehörigkeitsgruppen 2025 in Deutschland und den Bundesländern
- Abbildung 9a-b: Entwicklung der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung nach Anforderungsniveau und Berufssegment und Staatsangehörigkeit in Deutschland und den Bundesländern
- Abbildung 10a: Staatsangehörigkeit der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten nach Wirtschaftszweigen 2025 in Deutschland und den Bundesländern
- Abbildung 10b-c: Entwicklung der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten nach Wirtschaftszweigen und Staatsangehörigkeit in Deutschland und den Bundesländern
- Abbildung 11a-b: Entwicklung der Beschäftigtenquote (svB) nach Staatsangehörigkeit und Geschlecht in Deutschland und den Bundesländern
- Abbildung 12a-b: Entwicklung der Arbeitslosenquote nach Staatsangehörigkeit und Geschlecht in Deutschland und den Bundesländern
- Abbildung 13: Monatliches Medianentgelt (Brutto) von sozialversicherungspflichtig Vollzeitbeschäftigten nach Staatsangehörigkeitsgruppen in Deutschland und den Bundesländern
