Die Netzwerkinitiative „Chancenbörse – Ingenieur-Know-how in der Praxis“

Drei Fragen an die Qualifizierungsberatung des IQ Landesnetzwerks Bayern (MigraNet) und das Referat für Berufsanerkennung der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau


1) Die Netzwerkinitiative „Chancenbörse – Ingenieur-Know-how in der Praxis“ unterstützt die berufliche Integration von Ingenieurinnen und Ingenieuren mit einer Qualifikation aus dem Ausland. Im Rahmen der Vergabe des Unternehmenspreises „Wir für Anerkennung“ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) wurde die „Chancenbörse“ als „Gute Idee“ gewürdigt. Wie kam es zu der Initiative, und wie sieht die Zusammenarbeit der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau, der Tür an Tür - Integrationsprojekte gGmbH und des IQ Landesnetzwerks Bayern (MigraNet) konkret aus?

MigraNet: Die Initiative ging Anfang 2017 von der damaligen Referentin für Berufsanerkennung der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau aus. Sie setzte sich mit MigraNet – also dem IQ Landesnetzwerk Bayern – in Verbindung, um ein gemeinsames Konzept für die „Chancenbörse“ zu entwickeln. Die Beobachtung, dass es viele hochqualifizierte Bauingenieure mit bereits anerkannten ausländischen Abschlüssen gibt, diese aber oft keine qualifikationsadäquate Beschäftigung finden, war der Ausgangspunkt für die Entwicklung der „Chancenbörse“. Das Projekt ist so gestaltet, dass die Bayerische Ingenieurekammer-Bau Profile von Bauingenieurinnen und Bauingenieuren mit bereits anerkannten Abschlüssen in ihrer Mitgliederzeitschrift „Ingenieure in Bayern“ veröffentlicht. Interessierte Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber können sich daraufhin an die Kammer wenden und so Kontakt zu der Person herstellen. Ziel ist eine achtwöchige vergütete Arbeitserprobung. Die MigraNet-Qualifizierungsberatungsstellen bei Tür an Tür – Integrationsprojekte gGmbH und bei der Servicestelle zur Erschließung ausländischer Qualifikationen der Landeshauptstadt München schlagen dabei entsprechend geeigneten Beratungsklientinnen und -klienten vor, ihr Profil im Rahmen der „Chancenbörse“ veröffentlichen zu lassen.


2) Die „Chancenbörse“ ermöglicht Unternehmen eine Zusammenarbeit auf Probe mit Ingenieurinnen und Ingenieuren, deren ausländische Qualifikation bereits anerkannt wurde. Wie ist die bisherige Resonanz auf dieses Angebot?

Bayerische Ingenieurekammer-Bau: Das Projekt kommt gut bei den anerkannten Ingenieurinnen und Ingenieuren an. Die Bayerische Ingenieurekammer-Bau setzt hohe Ansprüche an die Auswahl der gut qualifizierten Personen, welche sie im Rahmen ihrer Mitgliederzeitschrift, aber auch auf der Internetseite vorstellt. Das Interesse der Arbeitgeberinnen und -geber ist groß und erst im letzten halben Jahr konnten wieder zwei junge Ingenieure in ein unbefristetes Arbeitsverhältnis vermittelt werden, welche in Syrien und Zypern ihr Studium absolviert und erfolgreich abgeschlossen haben.

MigraNet: Auch von Seiten der Beratungsklientinnen und -klienten ist die Resonanz positiv. Jede Chance, im adäquaten Arbeitsmarkt anzukommen, wird gerne genutzt. Allerdings war die Zahl der Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus unserem Beratungsprojekt bisher überschaubar. 


3) Inwiefern konnte die „Chancenbörse“ bisher zur Fachkräftevermittlung beitragen? Wo gibt es aktuell noch Herausforderungen?


Bayerische Ingenieurekammer-Bau: Wir möchten Unternehmen die Möglichkeit bieten, ausländische Qualifikationen besser einzuschätzen, da dies auch oft eine Hemmschwelle darstellt, Fachkräfte mit ausländischen Abschlüssen zu beschäftigen. Für unsere gut qualifizierten Fachkräfte ist die Chancenbörse eine gute Möglichkeit, einen Weg in ihren Beruf zu finden und ihr qualifiziertes Wissen und Können anzuwenden. 

MigraNet: Jede Person, die im Rahmen des Projekts „Chancenbörse“ vermittelt werden konnte, ist ein Erfolg. Grundsätzlich können wir sagen, dass das gegenseitige Kennenlernen von Arbeitgebern und Fachkräften mit ausländischen Qualifikationen fast immer positive Effekte hat. Eine weitergehende Sensibilisierung von Arbeitgebern für das Thema Anerkennung ausländischer Qualifikationen ist auf jeden Fall wünschenswert und notwendig – nicht allein im Ingenieursbereich. Das Projekt „Chancenbörse“ ist hier ein wichtiger Bestandteil. Natürlich schießt so ein Projekt nicht von Beginn an durch die Decke – und das muss es vielleicht auch gar nicht. Viel wichtiger ist, dass das Thema kontinuierlich bekannter wird und die Akzeptanz ausländischer Qualifikationen auf dem Arbeitsmarkt wächst. Der formalen Anerkennung durch eine zuständige Behörde muss auch die praktische Konsequenz auf dem Arbeitsmarkt folgen: dass nämlich diese Fachkräfte auch ganz selbstverständlich als Personen mit gleichwertigen Kenntnissen und Fähigkeiten (im Vergleich zu entsprechenden Fachkräften mit deutschem Abschluss) angesehen werden. Wenn das mehr und mehr von der Ausnahme zum Regelfall wird, ist das eine sehr wünschenswerte Entwicklung.


Beitrag für den Newsletter 3/2018 der IQ Fachstelle Beratung und Qualifizierung. Die Fachstelle dankt Herrn Arthur Depner (MigraNet) und der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau für das Gespräch.

 

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