Tatütata … neue Fachkräfte im Rettungsdienst sind da!

Wie finden zugewanderte Fachkräfte ihren Weg in eine Tätigkeit als Rettungs- oder Notfallsanitäter*innen? Das Regionale Integrationsnetzwerk IQ NRW – West hat hierzu ein bedarfsorientiertes Qualifizierungsangebot ins Leben gerufen – und zieht Zwischenbilanz zu bisherigen Erfahrungen und Ergebnissen.

Im Rahmen des Regionalen Integrationsnetzwerks IQ NRW – West im Förderprogramm IQ hat der Arbeiter Samariter Bund (ASB) Regionalverband Ruhr e.V. als Teilvorhabenträger – zunächst einmalig in Deutschland – eine modulare Qualifizierungsmaßnahme und Qualifizierungsbegleitung im Rettungsdienst und Katastrophenschutz für Menschen mit einem ausländischen Abschluss im Gesundheitssektor konzipiert. Mit Beginn der neuen IQ Förderrunde startete das Vorhaben 2023 in Essen. Die Bereiche Rettungsdienst und Katastrophenschutz sind in Deutschland von einem hohen Fachkräftemangel betroffen. Zugewanderten Menschen sind die Berufsfelder des Rettungsdienstes und des Katastrophenschutzes eher unbekannt und werden im Gegensatz zu Berufen in der Pflege oder im sonstigen medizinischen Bereich sehr selten ergriffen. Daher kümmert sich das Teilvorhaben mit seinem modularen Qualifizierungsangebot und der Qualifizierungsbegleitung darum, diese Berufsfelder bekannt zu machen und den Einstieg zu ermöglichen und zu unterstützen.

In der Qualifizierungsmaßnahme werden fünf Module angeboten:  

  1. Struktur und Aufbau des Gesundheitswesens/Rettungsdiensts
  2. Der Arbeitsalltag im Rettungsdienst
  3. Erste-Hilfe-Training
  4. Rechte und Pflichten
  5. Umgang mit Stress und Katastrophenschutz

Zusätzlich erhalten die Teilnehmenden die Möglichkeit einer individuellen Qualifizierungsbegleitung inkl. eines Coachings sowie über ein Mentoringprogramm. Die Module sind bedarfsgerecht abgestimmt auf die jeweilige Gruppengröße. Neben den theoretischen Angeboten haben die Teilnehmenden die Möglichkeit, die Fachpraxis beim ASB vor Ort oder bei den Kooperationspartnern zu erwerben. Dabei werden sie individuell von der Qualifizierungsbegleitung des Teilvorhabens in Bezug auf Erwartungen und Kenntnisse unterstützt und fachlich begleitet. Komplettiert wird die Qualifizierung durch ein Mentoringprogramm. Damit den Teilnehmenden der Einstieg in den Arbeitsmarkt im Bereich Rettungsdienst und Katastrophenschutz erleichtert wird, stehen ihnen bei Bedarf fachlich erfahrene Mentor*innen zur Seite. Die Mentor*innen sind Fachkräfte und verfügen häufig über eine eigene Migrationsgeschichte. Im Rahmen eines individuellen Austauschs begleiten sie ihre Mentees auf dem Weg in den Arbeitsmarkt und während der Arbeitsmarktintegration.

Zwischenbilanz 

Bislang gab es bundesweit für das Berufsfeld kein entsprechendes Qualifizierungsangebot. Seit dem Projektstart erfolgt eine wirksame Öffentlichkeitsarbeit über Social Media und der Website von IQ NRW. Zudem wurde das Teilvorhaben in der Region bei sämtlichen Sprachschulen, in Integrationskursen, bei Netzwerkpartner*innen des ASB RV Ruhr e. V. etc. beworben. Das Projektteam nimmt die Gelegenheiten wahr, potentielle Teilnehmenden auf Berufsmessen, Absolventenmessen und weiteren relevanten Veranstaltungen der Jobcenter und Arbeitsagenturen zu rekrutieren.

Es zeigt sich, dass das Qualifizierungsangebot aufgrund des modularen und individuellen Zuschnitts einen hohen Zuspruch erfährt. Die Qualifizierung unterstützt Personen mit ausländischem Abschluss sowohl auf dem Weg zum nicht reglementierten Beruf Rettungssanitäter*in als auch dem reglementierten Beruf Notfallsanitäter*in, der dem Anerkennungsverfahren unterliegt. Der Unterstützungsbedarf, den das Pilotprojekt für seine Teilnehmenden leistet, liegt zum einen bei der Suche nach (ausgleichenden) Qualifizierungsmaßnahmen. Zum anderen unterstützt die Qualifizierungsbegleitung Personen bei der langfristigen Perspektive, eine Anerkennung als Notfallsanitäter*in zu erreichen. Zudem erhalten die Teilnehmenden einen Überblick über den Arbeitsalltag des Berufsfeldes und über die sozialen Strukturen. Seit Beginn der Förderrunde 2023 konnten bislang über 80 Teilnehmende an dem Angebot partizipieren, davon sind bereits 20 in bildungsadäquate Beschäftigung gemündet.  

Die Teilnehmenden des Vorhabens kamen überwiegend als geflüchtete Menschen nach Deutschland. Die meisten sind während der Flüchtlingsbewegung in den Jahren 2014 bis 2016, einige erst vor Kurzem im Rahmen des Krieges in der Ukraine nach Deutschland gekommen. Teilnehmende, die in ihren Heimatländern wie der Türkei oder Russland bereits als qualifizierte Notfallsanitäter*innen tätig waren, bringen ihre Expertise in der Qualifizierung als Bereicherung für alle ein. Erfreulicherweise ist die Teilnahme nach den Geschlechtern ungefähr paritätisch verteilt. Anfang des Jahres 2024 konnte eine Qualifizierung am Wochenende nur für Frauen durchgeführt werden, um diese mit entsprechender Qualifikation für das Berufsfeld zu begeistern.

Ausblick

Die modulare Qualifizierung sowie die individuelle Qualifizierungsbegleitung wurde zu Beginn der Förderrunde erstmalig konzipiert und im Rahmen der letzten 1,5 Jahre der IQ Förderrunde immer wieder an Bedürfnisse und Erfahrungen angepasst. Darüber hinaus sind weitere innovative Akquiseansätze seitens des Vorhabens geplant. Dazu gehört beispielsweise ein Stand inklusive eines Krankenwagens zur Demonstration im Zentrum von Essen-Altendorf, einem Stadtteil mit einem hohen Migrationsanteil. Darüber hinaus ist ein weiteres auf Frauen ausgerichtetes Modul geplant. Perspektivisch wird mit Unterstützung des Trägers die Entwicklung eines Vorbereitungskurses auf die Kenntnisprüfung bzw. eines kursförmigen Anpassungslehrgangs für Notfallsanitäter*innen ins Auge gefasst.

Weitere Informationen

Internetpräsenz des Teilvorhabens »Qualifizierungsmaßnahmen zur Arbeitsmarktintegration in den Rettungsdienst und Katastrophenschutz«

Beitrag auf dem Blog HINGESCHAUT des Regionalen Integrationsnetzwerks IQ NRW – West


Beitrag des Regionalen Integrationsnetzwerks IQ NRW – West für den Newsletter 3/2024 der IQ Fachstelle Anerkennung und Qualifizierung.

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