PraxisParade #8

Tipps und Tricks aus der IQ Praxis

Fachkräfte und Unternehmen erfolgreich zusammenbringen

Um dem Fachkräftemangel wirksam zu begegnen, setzen einige Regionale Integrationsnetzwerke (RIN) im Förderprogramm IQ auf strukturierte Vermittlung ihrer Qualifizierungsteilnehmenden in kleine und mittlere Unternehmen (KMU) vor Ort. Wir haben zwei RIN befragt, wie sie Fachkräfte und Unternehmen efolgreich zusammenbringen. 

„Brücke in den Arbeitsmarkt“ des Regionalen Integrationsnetzwerks Brandenburg

Wie würden Sie Ihr Angebot zur strukturierten Kommunikation beschreiben?
Qualifizierungsangebote und individuelle Begleitung, wie sie vom Netzwerk IQ angeboten werden, stellen zwei wichtige Pfeiler bildungsadäquater Arbeitsmarktintegration für Menschen mit im Ausland erworbenen Abschlüssen dar. Die Fachkräfte möchten in ihrem erlernten Beruf arbeiten und suchen Kontakte zu passenden Arbeitgeber*innen. Gleichzeitig leiden viele Unternehmen unter Fach- und Arbeitskräftemangel, suchen Personal aus dem Ausland und wenden sich hierzu an die Brandenburger IQ Strukturprojekte1
Um den (eigentlich) kompatiblen Bedarfen besser begegnen zu können, wird das Angebot „Brücke in den Arbeitsmarkt“ fester Bestandteil der Beratung von kleinen und mittleren Unternehmen (KMU). Bevor diese dabei unterstützt werden, Fachkräfte im Ausland zu finden, wird im persönlichen Beratungsgespräch auf konkrete Kompetenzen und Potenziale von bereits nach Brandenburg zugewanderten Personen verwiesen und eine Kontaktaufnahme vorgeschlagen.

Wie sieht der typische Ablauf von der Kontaktaufnahme der Fachkräfte, Unternehmen und IQ Qualifizierungsanbieter*innen bis zur erfolgreichen Bewerbung und Arbeitsmarktintegration aus?
Die erfolgreiche Bewerbung ist das Ziel der „Brücke in den Arbeitsmarkt“. Das „Herzstück“ der „Brücke in den Arbeitsmarkt“ liegt im strukturierten Austausch von Informationen innerhalb des RIN Brandenburg, der der Bewerbung vorangeht: Die Strukturprojekte verfügen über eine „Vermittlungsliste“. Auf dieser sind, sortiert nach Qualifizierungsangeboten, alle arbeitssuchenden Teilnehmer*innen (bis einen Monat nach Austritt aus der Qualifizierung) indiziert. Die Liste enthält Angaben zum Berufs- und/oder Studienabschluss, dem Sprachniveau, sowie Angaben zum Wohnort und zur Wohnortgebundenheit – zudem gibt es Raum für Bemerkungen. Zur Gewährleistung des Datenschutzes sind alle Angaben jeweils einer Teilnehmenden-ID zugeordnet, die durch das zuständige Projekt vergeben wird. Zu einem bestimmten Stichtag alle zwei Monate aktualisieren die Qualifizierungsanbieter die Listen – die Koordinierung des RIN fasst diese zusammen und leitet sie an die Strukturprojekte weiter. Bei Anfragen durch Unternehmen prüfen die Strukturprojekte dann die Liste und kontaktieren im Falle einer Übereistimmung den jeweilig zuständigen Qualifizierungsanbieter. 

Wie bereiten Sie Teilnehmende und Unternehmen vor? 
Die Strukturprojekte beraten Unternehmen grundsätzlich zu Einstellungsmöglichkeiten und Integrationsmanagement. Unternehmen, die auf konkreter Fachkraftsuche sind, werden informiert, wenn sich unter den Teilnehmenden des RIN Brandenburg passende Personen finden. Die Unternehmen werden dann um Erlaubnis gebeten, Stellenanzeigen und/oder Kontaktdaten an die betreffenden TN weitergeben zu können. 
Die Teilnehmenden wiederum werden durch den jeweiligen Qualifizierungsträger gefragt, ob sie in die Liste aufgenommen werden möchten und darüber informiert, welche Angaben nötig sind. Im Falle einer Übereinstimmung mit den Suchkriterien eines Unternehmens wird die betreffende Person durch den Qualifizierungsträger informiert – Stellenanzeigen und Kontaktdaten werden an sie weitergegeben. Je nach Vereinbarung mit dem Unternehmen kann sich der*die Teilnehmende unter Verweis auf das Förderprogramm IQ bewerben oder erst einmal informell Kontakt aufnehmen.

Welche Tools nutzen Sie?
Um den Prozess möglichst einfach und datenschutzkonform zu gestalten, wird die Vermittlungsliste durch die Koordination des RIN in Excel erstellt und lokal verwaltet. Von der Etablierung vermeintlich effizienterer digitaler Modelle, sei es die Nutzung selbst-matchender Excel-Tabellen oder Plattform- sowie Cloud-basierter Anwendungen, wurde nach Absprache mit den beteiligten Qualifizierungsangeboten und Strukturprojekten verzichtet. Der so entstandene Modus lässt sich leicht anpassen und evaluieren, was in Hinblick auf die Neuheit der Maßnahme sinnvoll ist.
Einige Welcome Center haben bereits Interesse gemeldet, ebenfalls Teilnehmende auf die Liste setzen zu lassen. Veröffentlicht wird die Tabelle nicht – einerseits aus Datenschutzgründen und andererseits, weil wir die Stärke darin sehen, dass sie Teil des persönlichen Beratungsgesprächs ist.


IQ Strukturprojekte beraten und unterstützen Unternehmen und andere Arbeitsmarktakteure bei allen Fragen zur Fachkräfteeinwanderung (Gewinnung von Fachkräften, Anerkennung ausländischer Berufsqualifikationen, Qualifizierung, Einreise und Beschäftigung in Deutschland etc.). 

Unsere Fragen beantworteten Franziska Lohse (Projektleitung) und David Breckerbohm (Öffentlichkeitsarbeit, Begleitung der Servicestellen Fachkräfteeinwanderung NordWest und SüdOst), Koordinierungsstelle Regionales Integrationsnetzwerk Brandenburg | Ministerium für Wirtschaft, Arbeit, Energie und Klimaschutz des Landes Brandenburg (MWAEK) | Ref. 52

"IQ Perfect Match" des Regionalen Integrationsnetzwerks IQ Hessen

Was ist IQ Perfect Match?
Viele Unternehmen in Hessen sind vom Fachkräftemangel betroffen. Es fehlt insbesondere kleinen und mittelständischen Unternehmen an Ressourcen für das Recruiting. Gleichzeitig gibt es viele internationale Fach- und Arbeitskräfte, die bereits hier leben, ihre Berufsqualifikationen in IQ Qualifizierungsangeboten erweitern und hoch motiviert sind, beruflich Fuß zu fassen. IQ Perfect Match verbindet beide, zeigt passende Profile und Einsatzmöglichkeiten auf, von der Anpassungsqualifizierung bis zur langfristigen Beschäftigung – niederschwellig, unkompliziert und kostenfrei.
Die Idee zu IQ Perfect Match entstand aus einem konkreten Bedarf: Unser Qualifizierungsangebot QualiFi in Südhessen und die IQ Servicestelle Fachkräfteeinwanderung Südhessen suchten nach einer besseren Möglichkeit, Teilnehmende aus IQ Angeboten aktiv mit Unternehmen in Kontakt zu bringen. Erste Steckbriefe wurden über LinkedIn geteilt. Aus dieser praktischen Lösung entwickelte sich Schritt für Schritt die Matching-Plattform, die heute allen IQ Qualifizierungsangeboten und IQ Servicestellen sowie den KMU in Hessen zur Verfügung steht.
Das Format ist als Datenbank konzipiert und verfolgt ein klares Ziel: Unternehmen sollen passgenau die Fachkräfte finden, die sie suchen, während internationale Talente eine faire Chance auf den Einstieg in den hessischen Arbeitsmarkt erhalten. Die kurzen Steckbriefe der Teilnehmenden geben einen ersten Überblick über Ausbildung, Qualifikationen, Sprachkenntnisse und gewünschte Einsatzbereiche und werden über die sozialen Medien (LinkedIn und Instagram) ausgespielt. Besteht Interesse, kann das Unternehmen die Mirarbeiter*innen des zuständigen IQ Qualifizierungsangebotes kontaktieren und mit der jeweiligen Person in Kontakt treten. Auf der Plattform können Unternehmen dann vorab prüfen, ob es weitere Treffer gibt, und sie erhalten nach der Registrierung Zugriff auf die vollständigen Profile.
Damit bietet IQ Perfect Match eine niedrigschwellige Möglichkeit, erste Kontakte zu knüpfen. Der Service umfasst ganz Hessen und deckt den gesamten Prozess ab – vom ersten Kennenlernen bis hin zum erfolgreichen Einstieg in Beschäftigung.

Wie bereiten Sie Teilnehmende und Unternehmen vor?
Der Erfolg von IQ Perfect Match hängt davon ab, dass sowohl die internationalen Fach- und Arbeitskräfte als auch die Unternehmen gut begleitet werden: 
Unsere Teilnehmenden unterstützen wir im Rahmen der IQ Qualifizierungsangebote dabei, ihre Qualifikationen und Erfahrungen prägnant darzustellen. Dafür erstellen wir gemeinsam aussagekräftige Steckbriefe, die zunächst auf LinkedIn veröffentlicht und anschließend in die Plattform mit ausführlichen Informationen eingebunden werden. Auf diese Weise werden die Fachkräfte sichtbar – und erhalten die Chance, mit ihren Stärken zu überzeugen. 
Und Unternehmen erhalten nicht nur Zugang zu passenden Profilen, sondern werden zusätzlich durch die IQ Servicestellen Fachkräfteeinwanderung beraten. Diese beantworten Fragen zu rechtlichen Rahmenbedingungen, organisatorischen Abläufen und praktischen Schritten rund um die Einstellung internationaler Fach- und Arbeitskräfte. 
So stellen wir sicher, dass der Kontakt nicht im Unverbindlichen bleibt, sondern zu konkreten Chancen führt – sei es eine Praxisphase, eine Ausgleichsmaßnahmen im Kontext der Anerkennung oder der direkte Einstieg in eine Anstellung.
Auf diese Weise schaffen wir Verlässlichkeit und senken die Hürden für Fachkräfte und Unternehmen gleichermaßen.

Welche Tools nutzen Sie?
Damit das Matching effizient funktioniert, setzen wir auf digitale Tools, die Transparenz und Struktur schaffen. Für die Steckbriefe verwenden wir ein Grafik-Design-Tool, um die Profile ansprechend und klar verständlich zu gestalten. Jedes Profil ist so aufgebaut, dass die wichtigsten Informationen – Ausbildung, Berufserfahrung, Sprachen, Einsatzmöglichkeiten – auf einen Blick sichtbar sind.
Technisch basiert die Plattform auf einem Add-on unseres Content-Management-Systems, das als Datenbank fungiert. Darüber werden die Profile verwaltet, verschlagwortet und mit einer intuitiven Filterfunktion versehen. Unternehmen können nach Berufsbereichen, Arbeitsorten oder konkreten Berufsbezeichnungen suchen und so gezielt passende Fachkräfte identifizieren.
Durch diese Kombination aus einfacher Gestaltung und leistungsfähiger Datenbank ist es möglich, die Informationen aktuell zu halten und den Unternehmen genau das zu bieten, was sie brauchen: einen schnellen, unkomplizierten Überblick. Datenschutz hat dabei oberste Priorität – persönliche Daten sind nur nach Registrierung zugänglich. So verbinden wir moderne digitale Tools mit praxisnaher und wenn gewünscht auch persönlicher Unterstützung.    


Unsere Fragen beantwortete: Katinka Simon, Wissenschaftliche Mitarbeiterin und zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit im Team der Koordination im Regionalen Integrationsnetzwerk IQ Hessen 

Weitere Informationen


Die Interviews führte Tatjana Erfurt  | Wissenschaftliche Mitarbeiterin der Fachstelle Anerkennung und Qualifizierung

 

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