PraxisParade #7
Tipps und Tricks aus der IQ Praxis
Verstetigung erprobter Qualifizierungsangebote
Das Förderprogramm IQ hat u. a. das Ziel, erprobte und bewährte Qualifizierungsangebote im Kontext der Anerkennung in ein Regelangebot zu überführen. In einem Austauschforum anlässlich des Vernetzungstreffens der IQ Fachstelle Anerkennung und Qualifizierung am 21. Mai 2025 in Nürnberg wurden Ansätze, Herausforderungen und Lösungsansätze zur Verstetigung diskutiert. Daraus haben sich u. a. die folgenden Praxistipps herauskristallisiert.
Verstetigung frühzeitig planen
Wird die Verstetigung eines Qualifizierungsangebots frühzeitig, am besten bereits in der Konzeptionsphase, mitgedacht, können nervenaufreibende inhaltlich-methodische Anpassungen im Nachgang verhindert werden. Dies ist insbesondere bei einer geplanten AZAV*-Zertifizierung sinnvoll, denn Praxiserfahrungen aus dem Förderprogramm IQ zeigen, dass oftmals nur einzelne Elemente des ursprünglichen Angebots gefördert werden können (zum Beispiel wäre eine vorbereitende Kompetenzfeststellung nicht zulassungsfähig und müsste ausgelagert bzw. durch eine alternative Finanzierung abgedeckt werden). Während der Projektlaufzeit sind Zwischenevaluationen zu empfehlen, die einzelne Bestandteile hinsichtlich der Wirkung und der damit verbundenen Sinnhaftigkeit der Verstetigung in den Blick nehmen. Wichtig ist in diesem Zusammenhang, dass die fachkundigen Stellen lediglich die Maßnahmenzulassung nach AZAV prüfen, aber nicht bei der „Zulassungsfähigkeit“ unterstützen. Bei einer Ablehnung muss der Träger eigenständig eine Lösung finden.
In der Regel ist die erfolgreiche Verstetigung an ein großes Engagement vonseiten der IQ Teilvorhaben und eine intensive Netzwerkarbeit mit regionalen Stakeholdern (z. B. Betrieben, anderen Bildungsträgern, Politik) gebunden, was sowohl zeitlich als auch finanziell eingeplant werden muss.
Zielgruppe analysieren
Sind die Teilnehmenden vorwiegend arbeitssuchend oder wird das Angebot vorrangig berufsbegleitend besucht? Wie hoch ist der Fachkräftebedarf in diesem Beruf(sbereich) und entsprechend die Bereitschaft von Arbeitgebenden, sich an Qualifizierungskosten zu beteiligen? Sind vor Ort genügend Teilnehmende zu erreichen oder sollte die Maßnahme langfristig überregional bzw. bundesweit angeboten werden? Kann die Zielgruppe genauer definiert werden, so können unterschiedliche Finanzierungsoptionen wie auch konzeptionelle Überlegungen im Hinblick auf die Verstetigung geprüft und ausgewählt bzw. entsprechend angepasst werden.
Finanzierungsoptionen prüfen
Häufig wird die Zulassung nach AZAV angestrebt, damit das Angebot langfristig durch die Kund*innen der Agenturen für Arbeit und Jobcenter genutzt werden kann. Die individuellen Qualifizierungsbedarfe der Anerkennungssuchenden sind allerdings häufig mit dem standardisierten, z. T. stark wirtschaftlich ausgerichteten „Produktgedanken“ schwierig zu vereinbaren, der hinter der AZAV-Zertifizierung einer i. d. R. kursförmig ausgestalteten Maßnahme steht. Die IQ Angebote basieren z. T. auf den Grundlagen des BQFG, in dem individuelle Qualifikationen (inkl. Berücksichtigung von Berufserfahrung) und dementsprechend individuelle Qualifizierungsbedarfe eine große Rolle spielen. Zusätzlich muss die für die Anerkennung zuständige Stelle für die Anerkennungssuchenden individuell feststellen, ob die Qualifizierung zum Ausgleich der wesentlichen Unterschiede geeignet ist, was eine weitere Hürde der Akzeptanz darstellen kann. Deshalb sollten auch alternative, ggf. zeitlich begrenzte Optionen geprüft werden. Das können beispielsweise arbeitgeberfinanzierte Modelle, Bundes-/Länderfinanzierung oder lokale Akteure (wie Kammern, TÜV etc.) sein. Gerade mit Blick auf Länderfinanzierungen steht häufig das Interesse der Fachkräftebindung im Fokus, welches Anreize der Förderung schafft.
Unterstützung und Beratung nutzen
Berater*innen mit Erfahrungen in der AZAV-Zertifizierung von Maßnahmen, bereits zertifizierte Praxispartner*innen, arbeitsmarktnahe lokale Akteure, Betriebe oder erfahrene IQ Kolleg*innen – sie alle können hilfreiche Unterstützung für die Verstetigung einer Qualifizierung bieten. Der Austausch über unterschiedliche Fragen kann dabei helfen, strategischer auf das Ziel des Regelangebots hinzuarbeiten, Ressourcen effektiv zu nutzen und Abbrüche sowie Umwege zu vermeiden.
*AZAV = Akkreditierungs- und Zulassungsverordnung Arbeitsförderung
Lesetipp
IQ Fachstelle Beratung und Qualifizierung: Verstetigung von IQ Qualifizierungsprojekten. Bilanzierung zu den IQ Förderrunden 2015–2022.
Praxistipps aus IQ (Teil-)Vorhaben
anlässlich des Präsenzvernetzungstreffens der Fachstelle Anerkennung und Qualifizierung am 21. Mai 2025.
Beitrag verfasst von Katja Judas unter Mitwirkung von Melanie Adacker, Lea Berges und Nadia Heimann | Wissenschaftliche Mitarbeiterinnen der Fachstelle Anerkennung und Qualifizierung
