PraxisParade #6

Tipps und Tricks aus der IQ Praxis

Qualifizierungsbegleitung für Hebammen aus Drittstaaten: KLiQG | SAM aus NRW

Die „Klient*innenzentrierte Qualifizierungsbegleitung für Hebammen" (► KLiQG | SAM)  bietet ein umfassendes Unterstützungsangebot für Hebammen aus Drittstaaten auf ihrem Weg zur beruflichen Anerkennung. Der Träger dieses Angebots ist die SAM Simulationszentrum und Akademie für multidisziplinäre Notfalltrainings gGmbH. Die Qualifizierungsbegleitung ist ein Teilvorhaben des Regionalen Integrationsnetzwerks IQ NRW – West.

Eckpunkte des IQ Angebots:

  • Virtuelle Umsetzung für bundesweite Teilnahme
  • Ausführliches Aufnahmegespräch
  • Vermittlung von Praxispartner*innen und Bildungseinrichtungen
  • Betreuung aller Beteiligten während des gesamten Prozesses
  • Monatliche Online-Informationsveranstaltungen

Welchen Fragen und Klärungsbedarfen begegnet das Vorhaben in der Praxis?

Bei vielen Teilnehmenden und relevanten Institutionen bestehen erhebliche Wissenslücken bezüglich der Anerkennungs- und Zulassungsverfahren für Hebammen aus Drittstaaten. Dies führt häufig zu Missverständnissen und Verzögerungen im Anerkennungsverfahren. Zudem ist die Ausgestaltung der zuständigen Stellen in den einzelnen Bundesländern unterschiedlich, was bei Umzügen der Antragstellenden zu Verzögerungen führen kann. Für Hebammen in Anerkennung wird es zunehmend schwieriger, Kliniken als Praxispartner*innen zu finden, die bereit sind, sie einzustellen. Die Herausforderungen ergeben sich unter anderem aus den geringen Kenntnissen der Klinikleitungen über Zulassungs- und Anerkennungsverfahren sowie aus einem unzureichenden Verständnis für die langfristigen Bindungsprozesse von Anerkennungshebammen.

Für die theoretische Ausbildung im Rahmen von Anpassungslehrgängen und Vorbereitungskursen auf die Kenntnisprüfung stehen aktuell nicht genügend Berufs- oder Hochschulen zur Verfügung. Dies erschwert die Umsetzung der gesetzlichen Vorgabe, Hebammen innerhalb von sechs Monaten nach Bescheiderteilung die Teilnahme an einer Kenntnisprüfung zu ermöglichen. Die Integration von zugewanderten Fachkräften kann auch für das bestehende Kollegium eine Herausforderung darstellen. Gründe hierfür sind unter anderem die bereits hohe Auslastung durch Hebammenstudent*innen, mögliche Vorbehalte gegenüber den Kompetenzen ausländischer Fachkräfte sowie deren Wahrnehmung als potenzielle Konkurrenz auf dem Arbeitsmarkt.

Welche Empfehlungen hat KLiQG für die praktische Arbeit mit Hebammen in Anerkennung? 

Für alle Beteiligten ist eine frühzeitige Information und Begleitung der komplexen Prozesse der beruflichen Anerkennung notwendig. Dazu gehört der Aufbau eines tragfähigen Netzwerks zur erfolgreichen Umsetzung von Ausgleichsmaßnahmen auf Bundesebene sowie insbesondere eine virtuelle Begleitung des Qualifizierungsangebots. Der Aufbau eines tragfähigen Netzwerkes erweist sich für die erfolgreiche Umsetzung von Ausgleichsmaßnahmen auf Bundesebene als unerlässlich, insbesondere im Hinblick auf die virtuelle Umsetzung des Qualifizierungsangebots.

Bei der individuellen Beratung müssen die persönlichen Situationen der Teilnehmenden, wie z.B. Betreuungspflichten oder räumliche Flexibilität, sorgfältig berücksichtigt werden, um realistische Qualifizierungspläne zu erstellen. Eine verstärkte Sensibilisierung der Klinikleitungen für die Abläufe und Anforderungen des Zugangs- und Anerkennungsverfahrens ist notwendig, um die Bereitschaft zur Einstellung von „Hebammen in Anerkennung“ zu erhöhen. Ebenso sollte die finanzielle Unterstützung der Kliniken durch den Bildungsgutschein erhalten bleiben, wenn nicht sogar um den Bereich des „Externates“ erweitert werden.

Um Vorbehalte abzubauen und die Integration zu fördern, wird die Bereicherung durch zugewanderte Hebammen im Team aktiv herausgestellt. Dies fördert nicht nur den internen Erfahrungsaustausch, sondern auch den sensiblen Umgang der Kliniken mit Patient*innen mit Migrationsgeschichte. Eine zusätzliche Unterstützung beim Spracherwerb kann die Integration der zugewanderten Hebammen wesentlich erleichtern und sollte daher als ergänzende Maßnahme angeboten werden. 

Erfahrungsbericht von Petra Brenner, KLiQG | SAM: Klientenzentrierte Qualifizierungsbegleitung für Hebammen und Pflegekräfte. Zu lesen in der Situationsanalyse „Berufliche Anerkennung von Gesundheitsfachkräften mit einer im Ausland erworbenen Berufsqualifikation“, Kapitel: Qualifizierungsbegleitung für Hebammen – Erfahrungen aus der Umsetzung.

Zusammenfassung: Tatjana Erfurt | Wissenschaftliche Mitarbeiterin der Fachstelle Anerkennung und Qualifizierung
 

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