Gastbeitrag - Ein Blick über den Tellerrand

Eine grüne Berufsgruppe fördern: Qualifikationen im Bereich erneuerbare Energien und Entwicklung grüner Kompetenzen in Kenia

Kenia ist auf dem Weg sich als führender Standort für Klima- und Umwelttechnologien zu etablieren. Dabei nutzt das Land seine unfamgreichen natürlichen Ressourcen und vielfältige Ökosysteme, um eine nachhaltige Entwicklung zu fördern. Im Mittelpunkt dieser Transformation steht ein dynamisches Bildungs- und Ausbildungssystem, das Lernende durch formale Qualifikationen, Berufsbildungsprogramme, Zertifizierungen und gezielte Kurzlehrgänge klimabezogene Kompetenzen vermittelt. Aurelia Starringer, Referentin für Fachkräftemigration des Bildungswerks der Bayerischen Wirtschaft, gibt gemeinsam mit David Yator, Freelancer aus Kenia, Einblicke in die Qualifikationsstrukturen des ostafrikanischen Lands und zeigt auf, wie internationale Bildungswege grüne Kompetenzen fördern und zu den globalen Klimazielen beitragen können.                 

Kenia entwickelt sich zunehmend zu einem wichtigen Vorreiter im Bereich Klima- und umweltrelevanter Techngologien. Das Land hat die Dringlichkeit erkannt, nachhaltige Lösungen zur Bewältigung des Klimawandels zu entwickeln und investiert intensiv in den Ausbau von Bildungs- und Qualifizierungsangeboten. DIese reichen von akademischen Studienprogrammen an Hochschulen über praxisorientierte Berufsbildung bis hin zu Zertifizierungen und internationalen Abschlüssen, die Fachkräfte in den Bereichen erneuerbare Energien, umweltfreundliche Technologien und Klimaschutz qualifizieren. 

Die internationale Abteilung des Bildungswerks der Bayerischen Wirtschaft (bbw) greift diese Dynamik seit 2023 mit Projekten und Train-the-Trainer-Programmen in Kenia auf. Gemeinsam mit ausgewählten technischen Ausbildungseinrichtungen werden Ausbildungswerkstätten modernisiert und erweitert, während die Lehrkräfte gezielt methodisch-didaktisch geschult werden. Diese Maßnahmen ermöglichen es Ausbilder*innen die berufliche Bildung strärker praxis. und handlungsorientiert auszurichten. 

Durch die Integration von Nachhaltigkeitsaspekten in die internationale Berufsbildung sowie die Förderung einer engen Kooperation mit dem lokalen privatwirtschaftlichen Sektor stellt das bbw sicher, dass die Ausbildungsprogramme passgenau auf die tatsächlichen Marktanforderungen abgestimmt sind. Neben verbesserten Beschäftigungsperspektiven profitieren die Lernenden von einer stärkeren Orientierung an internationalen Standards und Qualifikationsanforderungen. Damit eröffnen sich den Absolvierenden zugleich Chancen, als qualifizierte Kandidat*innen für das Fachkräfteeinwanderungsprogramm in Betracht gezogen zu werden, das das bbw als umfassendes Angebto für deutsche Unterstehmen bereitstellt.

Ein integriertes Bildungssystem für den ökologischen Wandel

Ein wesentlicher Bestandteil der ökologischen Transformation Kenias ist die Entwicklung eines Bildungs- und Qualifizierungssystems, das die Arbeitskräfte auf die Herausforderungen und Chancen der Green Economy vorbereitet. Der Bereich der technischen und beruflichen Aus- und Weiterbildung spielt dabei eine zentrale Rolle. Einrichtungen wie das Kenya Industrial Training Institute (KITI) und das National Renewable Energy Training Institute (NRETI) bieten praxisnahe Schulungen in Bereichen wie Solar-, Wind- und Geothermie-Technologien an. Diese Programme ermöglichen es den Teilnehmenden, praktische Kenntnisse für die Installation, den Betrieb und die Wartung von Anlagen für erneuerbare Energien zu erwerben - ein Schlüsselvoraussetzung für den Erfolg der Green Economy in Kenia. Darüber hinaus haben Universitäten wie die University of Nairobi und die Jomo Kenyatta University of Agriculture and Technology fachspezifische Studienprogramme in Umweltwissenschaften, Klimawandel und erneuerbaren Energien sowohl auf Bachelor- als auch auf Master-Niveau eingeführt. Diese Studiengänge tragen dazu bei, hochqualifizierte Fachkräfte mit akademischem Profil hervorzubringen, die Forschung, technologische Innocation und nachhaltige Entwicklung im Beriech Klimaschutz voranzubringen. 

Qualifikationswege in Kenia werden zunehmend an den konkreten Anforderungen des Arbeitsmarktes ausgerichtet. Besonders der Bedarf an Fachkräften in Bereichen wie Photovoltaik, Windenergie und nachhaltigen Kühltechnologien nimmt stark zu. Technologische Fortschritte sowie die Einführung neuer, effizienter Systeme machen eine kontinuierliche Anpassung und Erweiterung des Bildungsangebots erforderlich. Berufsbildungseinrichtungen haben ihre Curricula entsprechend erweitert, um aktuelle Entwicklungen im Bereich erneuerbare Energien und nachhaltiger Gebäudetechnologien systematisch zu integrieren. 

Die Rolle internationaler Partnerschaften und Zertifizierungen

Internationale Partnerschaften spielen eine zentrale Rolle bei der Unterstützung der Bildungsinitiativen Kenias. Die Aktivitäten des bbw unterstützen das Ziel Kenias, bewährte Verfahren und globales Fachwissen stärker in die Ausbildung von Fachkräften im Beriech grüner Technologien einzubeziehen. Zudem kooperiert das Land mit Organisationen wie der Internationalen Organisation für erneuerbare Energien (IRENA) und der Internationalen Energiebehörde (IEA). Auf diese Weise hat Kenia den Zugang zu international anerkannten Best Practices und Fachwissen bei der Qualifizierung von Fachkräften im Bereich erneuerbarer Technologien erheblich erweitert. Internationale Zertifizierungen aus Programmen des Internationalen Instituts für Umwelt und Entwicklung (IIED) oder des Instituts für Umweltmanagement und - bewertung (IEMA) ergänzen die nationalen Qualifikationen und steigern die globale Wettbewerbsfähigkeit der kenianischen Fachkräfte.
Darüber hinaus arbeitet das Energieministerium Kenias mit der Kenya Renewable Energy Association (KEREA) zusammen, um spezialisierte Ausbildungsprogramme für Solartechnik zu entwickeln - insbesondere für die Anwendung in abgelegenen und ländlichen Regionen. Die wachsende Nachfrage nach Fachkräften im Bereich erneuerbarer Energien dürfen die Entwicklung von Ausbildungsprogrammen und Zertifizierungen weiter beschleunigen, um diesem steigenden Bedarf gerecht zu werden. 

Praktische Ausbildung und der Beitrag von Nichtregierungsorganisationen

Ein weiterer Erfolgsfaktor ist die enge Zusammenarbeit mit Nichtregierungsorganisationen (NGOs) und internationalen Partnern, die in Kenia praxisorientierte Ausbildungsprogramme anbieten. Initiativen wie jene von Practical Action Kenya, die Schulungen zu Kleinstwasserkraftwerken sowie zur solaren Warmwasseraufbereitung durchführen, stellen sicher, dass auch in abgelgenen Regionen konkrete und umsetzbare Lösungen verfügbar sind. Diese Kooperationen fördern die Entwicklung nachhaltiger Technologien und vermitteln zugleich zentrale Kompetenzen für den Umweltschutz sowie die Bewältigung der Herausforderungen des Klimawandels.

Ausblick und weitere Entwicklung

Angesichts des dynamischen Wachstums im Bereich grüner Technologien ist zu erwarten, dass sich die Bildungslandschaft in Kenia weiter ausdifferenzieren wird. Laufende Maßnahmen zur Ausweitung der Ausbildung in Feldern wie nachhaltige Landwirtschaft, Wassermanagement und Energieeffizienz tragen dazu bei, das Qualifikationsangebot kontinuierlich zu erweitern. Insgesamt ist Kenia durch internationale Kooperationen und die kontinuierliche Weiterentwicklung seiner Ausbildungsprogramme hervorragend positioniert, um einen substantiellen Beitrag zu den globalen Klimaschutzbemühungen zu leisten und gleichzeitig die Entwicklung einer grünen Wirtschaft im eigenen Land voranzutreiben.

Beitrag von Aurelia Starringer (bbw) und David Yator (Freelancer) unter der redaktionellen Betreuung von Nora-Marliese Bamberger (f-bb) für den Newsletter 3/2025 der IQ Fachstelle Anerkennung und Qualifizierung. 

 

Transparenzhinweis: Das Forschungsinsitut betriebliche Bildung (f-bb) als Träger der IQ Fachstelle Anerkennnung und Qualifizierung (FSAQ) ist ebenfalls Teil der bbw-Gruppe.

 

Quellen

University of Nairobi (UoN) official site

JKUAT's academic offerings

Kenya Technical Trainers College (KTTC) course information

Institute of Environmental Management and Assessment (IEMA)

Kenya Association of Environmental Professionals (KAEP)

East African Science and Technology Commission (EASTECO)

 

Odhengo., Peter, Korir, H., Muthini, D., Mazza, F., Caenegem, H. V., Balm, A., Mwangi, C., Mwithiga, L., Njoroge, S., & Wambua, M. (2021). The landscape of Climate Finance in Kenya. https://www.climatepolicyinitiative.org/wp-content/uploads/2021/03/The-Landscape-of-Climate-Finance-in-Kenya.pdf 

Abdullah, A., Saraswat, S., & Talib, F. (2023, March 30). Barriers and strategies for sustainable manu-facturing implementation in SMEs: A hybrid fuzzy AHP-topics framework. Sustainable Manufac-turing and Service Economics. https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S266734442300004X 

Olatunde, T., Sikhakhane, Z. Q., Akande, D. O., & Okwandu, A. (2024, April). (PDF) review of Energy-efficient HVAC Technologies for Sustainable Buildings. https://www.researchgate.net/publication/380207442_Review_of_energy-efficient_HVAC_technologies_for_sustainable_buildings 

Strathmore to offer grid-tie solar PV training. (2021). http://kerea.org/wp-content/uploads/2021/06/Energy-Digest-2.pdf 

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Kenya National Innovation Agency. (2023). Government intention to set up Startup Fund Noble. https://kenia.go.ke/blog/government-intention-to-set-up-startup-fund-noble 

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