Bertelsmann Stiftung: Trotz massivem Fachkräftemangel - Nur 17 Prozent aller Unternehmen werben Personal im Ausland anbeiter*innen

[Bertelsmann Stiftung] Die Personalengpässe in der deutschen Wirtschaft nehmen immer weiter zu. Vor allem Menschen mit Berufsausbildung werden händeringend gesucht. Trotzdem setzt noch nicht einmal jedes fünfte Unternehmen auf Fachkräfte aus dem Ausland. Die Hürden für Zuwanderung aus Nicht-EU-Ländern sind noch zu hoch. Mit ihrem neuen Strategiepapier zeigt die Bundesregierung, dass sie den Handlungsbedarf erkannt hat.

Der Personalmangel in der deutschen Wirtschaft nimmt immer größere Dimensionen an. 73 Prozent und damit fast drei Viertel der Entscheider*innen in Unternehmen berichten von Fachkräfteengpässen in ihrem Betrieb. Das ergab eine repräsentative Civey-Befragung für den neuen Fachkräftemigrationsmonitor der Bertelsmann Stiftung Stiftung. 2021 hatten noch zwei Drittel (66 Prozent) der Unternehmen über fehlendes Personal geklagt, 2020 etwas mehr als die Hälfte (55 Prozent). Insbesondere die Nachfrage nach Personen mit Berufsausbildung steigt weiter an: 58 Prozent der befragten Betriebe melden hier Bedarf an, während nur 30 Prozent von ihnen Akademiker*innen fehlen. Hinsichtlich der betroffenen Branchen gibt es kaum Veränderungen: An Fachkräften mangelt es vor allem in der Kranken- und Altenpflege, im Bau und im Handwerk, in der Industrie und Logistik sowie im Tourismus. Zudem sind größere Unternehmen mit mindestens 250 Beschäftigten häufiger von Engpässen betroffen als kleine. Regional betrachtet, zeigt sich der Mangel an Personen mit Berufsausbildung am deutlichsten in Sachsen, Bayern und Rheinland-Pfalz und ländlichen Regionen aus, die Bedarfe an Akademiker*innen sind in städtischen Ballungsräumen am höchsten.

"Der Personalmangel tritt mittlerweile in fast allen Berufen, Branchen und Regionen auf. Unsere Wirtschaft verliert dadurch zunehmend an Dynamik. Angesichts dieser kritischen Situation ist es umso überraschender, dass die Rekrutierung von Fachkräften aus Nicht-EU-Ländern für die meisten Unternehmen noch immer kein Thema ist", sagt Susanne Schultz, Expertin für Migrationspolitik der Bertelsmann Stiftung.

Fachkräftezuwanderung liegt deutlich unter dem Vor-Corona-Niveau

Tatsächlich gibt mit 17 Prozent noch nicht einmal jedes fünfte Unternehmen an, im Ausland nach neuen Mitarbeiter*innen zu suchen. Stattdessen setzen sie zurzeit in erster Linie auf Aus- und Weiterbildung im eigenen Betrieb sowie auf die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, um mehr Fachkräfte zu gewinnen. Dabei geht zugleich nur weniger als ein Fünftel der befragten Entscheider*innen davon aus, dass in Deutschland ausreichend Personal zur Verfügung steht. Offenbar sind die Hindernisse für die Rekrutierung von Fachkräften im Ausland nach wie vor zu hoch. Noch mehr Unternehmen als in den Vorjahren nennen Sprachbarrieren, rechtliche und bürokratische Hürden sowie die schwierige Einschätzung ausländischer Qualifikationen als Hauptprobleme.

Die Zurückhaltung der Unternehmen spiegelt sich in den Zuwanderungszahlen. Zwar sind 2021 wieder etwas mehr Fachkräfte aus Nicht-EU-Ländern nach Deutschland gekommen als unmittelbar nach Beginn der Pandemie. Mit knapp 25.000 Personen lag deren Anzahl aber deutlich unter dem Vor-Corona-Niveau von fast 40.000 Menschen. Rund die Hälfte der eingewanderten Fachkräfte stammte aus Asien. Zugleich hat die Zuwanderung aus anderen EU-Staaten in die Bundesrepublik 2021 abgenommen. Den Ländern außerhalb Europas kommt dadurch eine noch größere Bedeutung für den deutschen Arbeitsmarkt zu.

Die vollständige Pressemitteilung der Bertelsmann Stiftung finden Sie hier.

 

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